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Kölner FDP fährt vor der Wahl schon wieder kräftig Anti-Graffiti Stimmung..

23. Juni 2009

Am 30. Juni tagt der Stadtrat zum letzten Mal vor der Kommunal- und OB-Wahl (30. August).

Die FDP-Fraktion hat sich dafür viel vorgenommen. Thema Graffiti: „Wir wollen, dass die KVB verpflichtet werden, Farbgeschmiere binnen einer Woche zu entfernen“, meint FDP-Fraktionschef und Oberbürgermeisterkandidat Ralph Sterck. „Je schneller so was weg ist, umso geringer der Erfolg für den Sprayer.“

Außerdem wird die FDP beantragen, das Historische Archiv wieder an altem Platz in der Severinstraße zu errichten.

Die Liberalen wollen überdies bei der WM 2010 Public Viewing auf Plätzen wie Heumarkt oder Domplatte. „Wenn wir Eventstadt sind, sollten wir auch so handeln“, sagt Sterck. Doch Sportdezernentin Dr. Agnes Klein (SPD) verhandelt bereits mit Arena-Chef Ralf Bernd Assenmacher. Nur dort soll es Public Viewing geben.

Quelle: Express vom 03.06.09

Zeitungsartikel zu „Mittwochs Maler and friends“ im Rahmen des 1.Kölner Graffiti Fachtages

13. Juni 2009

Gehasst von Hausbesitzern und Verkehrsbetrieben: Jetzt will die katholische Kirche um Verständnis für Graffiti-Künstler werben. Bei der 1. Graffiti-Fachtagung wurden alte Gräben geschlossen und gezeigt, warum Kunst aus der Dose so schön ist.

Auf großen Waggons ein Ärgernis, auf Modelleisenbahnen unbedenklich: Graffiti. (Bild: Hennes)

Nippes – Für die einen sind sie Schmiererei, für die anderen Kunst. An Graffiti, der Malerei auf Mauern und im öffentlichen Raum, scheiden sich die Geister. „Die Fronten sind verhärtet“, sagt Anke Patt vom Sozialdienst katholischer Männer (SKM) mit Blick auf Köln. Um dem entgegenzuwirken, hat der Verein am Freitag eine Graffiti-Fachtagung veranstaltet. Im Anschluss wurde in Halle 10 der Clouth Werke an der Xantener Straße die Ausstellung „Mittwochs-Maler and friends“ eröffnet, die auch an diesem Samstag von 12 bis 18 Uhr zu sehen ist.

„Mittwochs-Maler“ ist der Name des Graffiti- und Jugendkunstprojekts, das der SKM im November 2005 im Rahmen des HipHop-Netzwerks für Toleranz und Integration ins Leben gerufen hat und das inzwischen von der Stadt unterstützt wird. Es steht exemplarisch für das Bemühen, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, den öffentlichen Raum mitzugestalten. In Köln gebe es genügend Flächen – von trostlosen Unterführungen bis zu grauen, hässlichen Mauern, die sich gut dafür eigneten, legal besprüht und bemalt zu werden, sagte unter anderen „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel, der die Tagung unterstützte. Gäbe man solche Flächen offiziell frei, würde nach Baumgärtels Auffassung automatisch die Zahl der illegalen Graffiti zurückgehen, ob auf Wänden privater Häuser oder auf Bahnen.

Doch die „legale Gestaltung des öffentlichen Raums“ finde in Köln „keine ordnungspolitische Zustimmung“, kritisierte Elke Böttger, Jugendpflegerin in Nippes, und ergänzte: „Die Freiflächen in Jugendeinrichtungen reichen nicht aus.“ Im Umgang mit der Graffiti-Kultur gelte es, weder einer „Verherrlichung“ noch einer „repressiven Ausgrenzung“ das Wort zu reden. Für Thomas Baumgärtel sind die Konflikte jedenfalls Vergangenheit: In seinem Atelier hätten sich früher „ordnerweise“ die Strafanzeigen angesammelt und oft genug sei er festgenommen worden; heute dagegen rissen sich Kunsteinrichtungen um seine Arbeiten. (cs)

Graffitifachtag Köln 2009

6. April 2009

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Leiter des Graffiti-und Jugendkunstprojektes  “Mittwochs Maler“, bin ich gerade dabei einen Graffitifachtag zu organisieren. Ziel ist es auf fachlicher Ebene einen bundesweiten Erfahrungsaustausch herzustellen, als Referenten haben einige Experten die in der Arbeit mit der Zielgruppe der “writer” aktiv sind, ihr Kommen zugesagt. Ort und Datum der Veranstaltung stehen schon fest, den genauen Ablauf erarbeite ich gerade noch.

Zielgruppe der Veranstaltung sind Mitarbeiter aus Städtischen Verwaltungen, der offenen Kinder- und Jugendarbeit, der JGH, Brücke, Waage e.v. und alle die in Graffitiprojekten involviert sind.

Datum: 29.05.09 , Freitag 10.00-16.00 Uhr

Ein Plädoyer für Graffiti

25. März 2009

Kultur

Feindbild Graffiti-Sprayer – ein Plädoyer

Montag, den 23. März 2009 um 13:26 Uhr von Thilo Pfennig

Graffiti in der Öffentlichkeit stellt seit Jahren eines der umstrittensten Themen dar. Erstaunlich, wenn man berücksichtigt, dass es sich meist nur um Farbe auf Wänden handelt. Was macht das Thema so problematisch und ist es realistisch zu erwarten, dass Graffiti aus der Öffentlichkeit verschwindet? Und wäre das wünschenswert?

Graffitigeschichte

Zunächst ist klar, dass Menschen seit undenklichen Zeiten mit Werkzeugen Symbole und Kunst erstellen. Der Begriff bedeutet so viel wie “mit dem Griffel kratzen”. Denn natürlich gab es in der Urzeit noch keine Spraydosen (die erst in den 30er Jahren erfunden wurde). Graffiti im heutigen Sinne, aber mit anderen Werkzeugen, gibt es seit dem Altertum z.B. in Ägypten und den Römischen Reich. Diese geben Historikern heute teilweise wertvolle Hinweise über das Leben und das Denken der damals lebenden Menschen. Auch in der Neuzeit gab es viele interessante Beispiele, wie z.B. die bewusst erhaltenen Graffiti von russischen Soldaten im Berliner Reichstag, deren Erhalt damals auch für viel Kritik und Unverständnis sorgte.

Mit Kanonen auf Spatzen

Auffällig ist, dass Graffitis immer wieder zum Aufreger werden. So schimpfte eine CDU-Politikerin in Berlin 2002 auf Graffiti, die gegen Stoiber gerichtet waren: “Diese Tat in unmittelbarer Nähe des 11. September, des Tages, an dem der menschenverachtende terroristische Anschlag auf Amerika verübt wurde, ist auch als Anschlag auf unsere Demokratie zu werten.” Oft werden sowohl Graffiti als auch die Verletzung von Urheberrechten mit Terrorismus und Organisierter Kriminalität gleichgesetzt. Damit wird dann auch die Gangart gegen Graffiti mitbestimmt. 2005 sorgte der Einsatz von Hubschraubern des Bundesgrenzschutzes für Wirbel in den Medien. Hier stellte sich wie oft die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel.

Die Initiative KLAR SCHIFF Kiel berichtet 2003 stolz:

Gegen 21.50 Uhr teilten Anwohner der Gärtnerstraße telefonisch mit, zwei junge Männer hätten gerade ein Tor und Laternenmasten mit Farbstiften beschmiert. Mehrere Einsatzfahrzeuge machten sich auf den Weg. Im Wulfsbrook entdeckte die Beamten an einer Bushaltestelle eine fünfköpfige Gruppe Jugendlicher, darunter zwei Mädchen. Einer der Jugendlichen malte gerade sein “Tag” an eine Mülltonne. Wie sich bei der anschließenden Überprüfung herausstellte, hatten ein 16- und ein 20-Jähriger die Schriftzüge verursacht. Entsprechende Stifte entdeckten die Beamten bei den Durchsuchungen. Gegen die Beschuldigten wurden Strafverfahren eingeleitet.

Wenn hier das Sprichwort “Mit Kanonen auf Spatzen schiessen” nicht gilt, weiß ich nicht, wann sonst. Wenn das Bemalen von Mülltonen mit ein paar Filzstiften schon für einen Großeinsatz der Polizei sorgt, fragt man sich, ob die Polizei sonst nichts Besseres zu tun hat.

Graffiti als Herausforderung an unsere Gesellschaft

Die große Geschichte hinter den Graffiti ist eigentlich ein Kampf um Eigentum und öffentliche Flächen. In den meisten westlichen Ländern gibt es zum einen klares Privateigentum und darüber hinaus öffentliche Flächen, deren Nutzung von denen bestimmt wird, die die Herrschaft ausüben. Gebäudeflächen und der ölffentliche Raum insgesamt werden immer gerne zu Werbezwecken verwendet. Der einzelne Bürger kann dabei wenig darüber mitbestimmen, was wo gebaut werden darf oder welche Werbung wo hängt – von überall springen uns Botschaften an. Im Allgemeinen aber halten sich diese Botschaften an gewisse Regeln – entweder werden Werbeflächen bezahlt oder jemand baut ein neues Gebäude auf einem Grundstück, das er gekauft hat. Es gibt zwar auch so hier und da Streitigkeiten über Baugrundstücke und die Öffentlichkeitswirkung, doch werden Investoren eher selten mit Terroristen gleichgesetzt.

In den USA wird Graffiti zunehmend auch von Firmen im Sinne des Guerilla Marketings eingesetzt, wie z.B. von SONY zur Bewerbung ihrer Spielkonsole. Für so einen weltweiten Großkonzern sind die darauf zu zahlenden Strafen natürlich nur Peanuts. Vielleicht erfolgt eine bessere Anerkennung der Graffiti ja auch dann, wenn diese Aktionen von Firmen an der Tagesordnung sind?

Ist Graffiti Kunst?

Graffiti war und ist immer auch Protest gegen bestehende Verhältnisse. Und darin unterscheiden sie sich nicht von vielen Künstlern und Kunstaktionen. So wie auch ein Beuys sich mit dem etablierten Kunstbetrieb an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf anlegte. Damit sei nicht gesagt, dass jeder Graffiti-Künstler auch ein kleiner Beuys ist. Damit sei lediglich darauf hingewiesen, dass das Verletzen von Regeln und die Aneignung von öffentlichem Raum etwas ist, was sowohl  zu jeder Zeit in unserer Gesellschaft passiert und es auch für den Graffiti gar keine andere Möglichkeit gibt zu überleben als gegen diese Regeln zu verstoßen. Es gibt auch Graffiti, die in Galerien ausgestellt werden. Diese stellen aber eine andere Kunstgattung dar, selbst wenn die Techniken ähnlich oder gleich sind.

Nichts was Graffiti zu eigen ist, ist einzigartig – sowohl die Regelverletzung als auch das Besetzen des öffentlichen Raumes mit Botschaften ist bei uns alltäglich. Einzigartig ist aber die Kombination, die dazu führt, dass Graffiti-Sprayer einem hohen Fahndungsdruck ausgesetzt sind. Zudem hängen viele Politiker immer noch der so genannten “Broken-Windows-Theorie” nach. Demnach sind Graffiti und zerbrochene Fensterscheiben ein Signal in einer Straße oder einem Viertel, das angeblich Kriminalität anzieht und den Verfall eines Viertels herbeiführt. Dagegen wurde die Nulltoleranzstrategie angewandt, das selbst Bagatellvergehen stark verfolgte. In New York wurde diese sehr konsequent umgesetzt. Es kam auch zu einem Absinken der Kriminalität. Allerdings passierte das zeitgleich in allen Großstädten der USA – also auch in denen ohne Nulltoleranzstrategie. In dem Buch Freaknonomics wurde die Theorie aufgestellt und statistisch untermauert, dass die Kriminalitätsrate deswegen absank, weil es wegen erlaubter Abtreibungen weniger ungewollte Kinder gab. Statistische Indizien für die Wirksamkeit einer Nulltoleranzstrategie gibt es hingegen nicht. Dennoch wird diese von vielen Law-and-Order-Politikern als belegt und alternativlos dargestellt und bestimmt oft die öffentliche Vorstellung von wirksamer Kriminalitätsprävention. Auch die vermehrte Überwachung mit öffentlichen Kameras wurde aus dieser Theorie entwickelt.

Wie viel Kontrolle wollen wir?

Im Grunde wird hier aber versucht aus einem relativ kontrollierten Raum einen hyperkontrollierten Raum zu schaffen. Politiker wie BKA-Chef Ziercke oder Innenminister Wolfgang Schäuble sind sogar der Meinung, dass es überhaupt keine unüberwachten Freiräume mehr geben sollte. Dies aber würde einer Abschaffung der Privatsphäre gleichkommen. War es früher normal, dass die Polizei nicht überall alles mitverfolgen konnte, so gilt heute, dass angeblich jede Maßnahme, die möglich ist, auch umgesetzt werden muss.

Die finanziellen Auswirkungen

In dem Zusammenhang sind Graffiti viel mehr als Rechtfertigung für eine stärkere Überwachung und Kontrolle des öffentlichen Raumes, als dass die angewendeten Maßnahmen tatsächlich die Anzahl der Graffiti im öffentlichen Raum reduzieren würden. Würde man die Finanzmittel, die sowohl zur Erschaffung als auch der Beseitigung von Graffiti angewendet werden zusammenzählen, käme man mit Sicherheit auf eine unfassbare Summe. Unfassbar vor allem deswegen, weil durch die ganzen teuren Maßnahmen, die oft letztendlich darin bestehen graue Autobahnbrückenpfeiler von Farbe zu befreien, den Graffiti niemals gänzlich aus dem öffentlichen Raum verdrängen werden. Für die oft jugendlichen Sprayer kann es aber bedeuten, dass sie jahrzehntelang für die Beseitigung entstandender Schäden zahlen müssen. Diese haben in ihrem Alter aber meist die Tragweite und das Risiko ihres Handelns gar nicht abschätzen können.

Graffiti-Sprayer und die Eigentümer von Flächen stehen in einem natürlich Widerspruch, der kaum aufzulösen ist. Zumindest dann nicht, wenn man nicht anfängt die Bedeutung und die Nutzbarkeit öffentlicher Flächen zu hinterfragen. Bei Autos sieht die ganze Sache anders aus: In unseren Städten geht ein Großteil der Flächen von Straßen und Plätzen an parkende Autos. Ein Auto abzustellen und stehen zu lassen ist aber vollkommen legal. Im Innenstadtbereich wird manchmal eine Gebühr erhoben – aber davon abgesehen hat man sich hier darauf geeinigt, dass die Bürger jede Straße und jeden Platz, der dafür geeignet ist zum Parken benutzen dürfen. Die Kosten einer Garage oder eines bezahlten Standplatzes können dagegen erheblich sein. Hier hat die Öffentlichkeit die Abwägung getroffen, dass der Gebrauch von Straßen und Plätzen im gewissen Rahmen wünschenswert ist (z.B. auch durch parkende Besucher, die die Gelegenheit nutzen in Geschäften einzukaufen). Der Umsatz den Graffiti-Sprayer generieren im Konsum von Materialien wird hingegen als nicht so wertvoll angesehen. Anders ist es mit Fabriken, die Sprühdosen herstellen, die nur für Graffiti geeignet sind. Dort arbeiten Menschen wie Du und ich, bekommen ihren Lohn und zahlen ihre Versicherung – die Spraydosen verlassen die Fabrik und gelangen ggf. zu den Kindern der Fabrikarbeiterinnen. Bedeutet es für eine Arbeiterin die Sicherung eines Einkommens inklusive Altersvorsorge Materialen herzustellen, die zur Graffitierstellung genutzt werden, so kann es für die Kinder zum finanziellen Risiko werden, das völlig legale Material und Werkzeug dem ihnen bestimmten Zweck zuzuführen. Die Gewinne der Fabrik und die Einkommenssteuer werden wiederum dafür verwandt Gerichte und Polizei zu bezahlen, die diese Kinder festnehmen und bestrafen.

Unscharfe Definitionen

Ich kann den einzelnen Hauseigentümer verstehen, der sich darüber ärgert, dass seine frisch gestrichene Wand plötzlich von Fremden vollgemalt wird – und ich kann auch seinen Wunsch nachvollziehen, diese unerwünschten Verschönerungen zu entfernen. Das Gesamtproblem des Graffiti lässt sich aber anhand eines einzelnen Beispiels nicht erklären. Falsch ist auch, wenn von vielen Seiten immer wieder Begriffe wie “Schmierereien” verwendet werden. Denn rein sachlich betrachtet schmiert da nichts. Und zum anderen ist es meist nicht die Absicht der Sprayer irgendwo etwas zu verschmutzen. Oft geht es darum etwas zu erschaffen – oft erschöpft es sich in einer Marke oder “Tag” –  manchmal aber auch in dem Schaffen von einem Kunstwerk, zumindest im Auge des Künstlers – er will etwas schaffen, das gesehen wird – will kommunizieren und will Anerkennung. Dabei wohl in den selteneren Anerkennung vom Hausbesitzer. Diese werden oft von der Öffentlichkeit gedrängt Anzeige zu erstatten – eine zeitlang sah es sogar so aus, als ob man Hausbesitzer verpflichten wollte dies zu tun – was dann aber eine fundamentale Abkehr von geltenden Rechtsprinzipien gewesen wäre.

Dies soll ein Plädoyer für Toleranz gegenüber Graffiti sein. Graffiti war, ist und wird immer Teil unserer Kultur sein. Man muss es nicht lieben. Ich selbst rege mich auch über viele Dinge in der Öffentlichkeit auf. Öfter aber über verordnete Gemütlichkeit und Bausünden, als über ein paar Sprüche oder Graffiti-Kunst. Es kann nicht so weitergehen, dass die Gesellschaft Krieg gegen eine Jugendkultur und somit gegen ihre Jugendlichen führt. In so einem Krieg können nur alle Seiten verlieren. Sowohl finanziell als auch defakto an der Existenz von Graffiti. Die wird es auch in 2000 Jahren noch geben. Es wäre daher an der Zeit einen anderen gesellschaftlichen Dialog zu führen. Solange immer nur aus der eigenen beschränkten Perspektive argumentiert wird, wird es keine Lösung geben – und desto mehr werden Graffiti zum Ärgernis anstatt zu einer Bereicherung. In Wahrheit ist es nämlich die Bekämpfung der Graffiti, die zu einer Verschärfung aber nicht zu einer Lösung beigetragen hat.

Photo Quelle/Copyright: fabbio, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

Link: http://www.readers-edition.de/2009/03/23/feindbild-graffiti-sprayer-ein-plaedoyer/

News aus Minden

25. März 2009

Kreativität unter Atemschutz

Städtische Jugendpflege und Verein Streetart bieten Graffiti-Lehrgang an / „Legaler Spaß“


Porta Westfalica-Möllbergen (GS). Die Osterferien beginnen zwar erst Anfang April, doch in Möllbergen gab es bereits jetzt einen vorgezogenen Ferien-Workshop. An zwei Tagen lud die städtische Jugendpflege in Zusammenarbeit mit dem Verein „Streetart“ zu einem Graffiti-Lehrgang in den Jugendtreff ein.
Von Gisela Schwarze

Foto: Gisela Schwarze
Als Graffiti-Experten hatte der Jugendpfleger Joachim Dobrinski den 26-jährigen Hahlener Christian Leistner engagiert. Er verschrieb sich bereits mit zwölf Jahren den farbenfreudigen, großflächigen Bildern oder Schriftzügen aus den Sprühdosen.

Die sechs Workshop-Teilnehmer im Alter von zwölf bis vierzehn Jahren zeigten sich von der Sprühtechnik fasziniert. Sie hatten bis zum Lehrgang und ihrer ersten Begegnung mit Graffiti keine Ahnung von der Vielzahl der aufzusetzenden Sprühdüsen, die mal schmal, mal breit oder vernebelt gewünschte Formen auf die vorbereiteten, weiß grundierten Holzplatten zauberten. Das kreative Sextett mit Florian Anders, David Althoff, Felix Neef, Jacomo Krause, Johannes Kühme und Felix Schmidt hatte riesigen Spaß daran, sich nach der Anleitung von Christian Leistner künstlerisch zu betätigen.


„Dieser Spaß hier bei uns ist legal“, so der Graffiti-Fachmann von „Streetart“. Ein Film über die Sprühkunst gab zusätzliche Anwendungstipps. Weil der Workshop auch eine Übernachtung beinhaltete, hatten Joachim Drobrinski und seine Schützlinge genügend Zeit, sich ausgiebig auszutauschen.

In den Räumen vom Jugendtreff Möllbergen an der Schierholzstraße und auch auf dem Hof war während des künstlerischen Schaffens Frischluft Mangelware. Das Wetter machte auch die Betätigung unter freiem Himmel möglich.

Der penetrante Geruch der Farben aus den Sprühdosen überlagerte alle natürlichen Düfte. Mit Atemschutzvorrichtungen ausgerüstet, nahmen die Jungen den intensiven Farbgeruch jedoch nicht wahr. Die Künstler waren ohnehin auf ihre Werke konzentriert, denn die durften sie mit nach Hause nehmen.

Dass Graffiti in der öffentlichen Wahrnehmung vielfach als Vandalismus betrachtet werden, erfuhren die Jugendlichen selbstverständlich auch. „Unerlaubtes Anbringen von Graffiti ist illegal und kann als Sachbeschädigung bestraft werden“, mahnten Joachim Dobrinski und Christian Leistner. Dringender Wunsch der gesamten Gruppe war es daher, demnächst ganz legal auf bestimmten öffentlichen Flächen oder Gebäuden sprühen zu dürfen.

Link: http://mt-online.de/mt/lokales/porta_westfalica/?sid=4239bbd866dc610f955f4db530c0ca94&cnt=2916223

Die Arbeitweise der SOKO Blackbook in einem ZDF Fernsehbeitrag

12. Februar 2009

In der letzten Woche gab es im ZDF einen Beitrag zum Thema : „Graffiti“. Wie in so vielen anderen Dokus zu diesem Thema, wird wieder einmal der Aspekt der Prävention vergessen. Die Arbeit der SOKO-Blackbook wird hingegen entsprechend ausführlich dargestellt.

Danke an Wolfgang von CASANOVA für den Link.

Potsdam(Brandenburg) will neue Wege gehen.

29. Dezember 2008

Stadt will Graffiti als Kunstform fördern

Zweitägige Veranstaltung in der einstigen Skaterhalle ohne Zwischenfälle aber mit viel Farbe an den Wänden / Seemann: Bis März soll Konzept mit legalen Graffiti-Wänden im Stadtbild stehen (28.12. 2008)

Innenstadt – Die Stadtverwaltung will Graffiti als eigenständige Kunstform aktiv fördern. Das sagte die Fachbereichsleiterin Kultur und Museum, Birgit-Katharine Seemann am Rande der zweitägigen Kunstaktion in der vor dem Abriss stehenden Skaterhalle am Wochenende. Mehr als 300 vornehmlich Jugendliche kamen an beiden Tagen, um zu sprayen, Musik zu machen und zu hören oder Solidarität zu zeigen.

„Wir wollen deutlich machen, dass Hip Hop als Kultur und Kunst auch Platz braucht in Potsdam. Dazu gehört, dass wir für legale Graffiti-Wände kämpfen“, sagte Benjamin Bauer, Veranstalter der zweitägigen Aktion. Die Forderung scheint mittlerweile nicht mehr auf taube Ohren in der Stadtverwaltung zu stoßen. Seemann bestätigte, dass bis März ein Graffiti-Konzept für Potsdam stehen soll, in dem legale Wände zum Sprayen aufgelistet werden. Dazu hat Bauer bereits eine Liste vorbereitet, auf der 16 geeignete Flächen aufgeführt sind. „Zuallererst müssen die natürlich sichtbar sein und nicht versteckt“, so Bauer. Kunst müsse schließlich gesehen werden. Außerdem benötige man mindestens zehn Quadratmeter Größe um ein anständiges Bild entwerfen zu können. Geeignete Wände befänden sich laut Bauer am alten Betonwerk in der Nähe des Bahnhofs Rehbrücke, bei den ehemaligen Kasernen an der Nedlitzer Straße oder an der Schallmauer im Kirchsteigfeld.

Birgit-Katharine Seemann sagte, in den nächsten Wochen wolle man mit Eigentümern und Anwohnern der benannten Wände in Gespräche treten. „Da braucht es Toleranz und Respekt auf beiden Seiten“, betonte die Fachbereichsleiterin, die vor allem darauf einwirken will, „dass endlich mehr über Inhalte als über Konflikte geredet wird“. Graffitis müssten als Kunstwerke endlich Anerkennung finden, „im Sommer haben wir an der Schiffbauergasse eine Spray-Aktion veranstaltet, da sind wunderbare Sachen entstanden“, sagte Seemann.

Sie verwies auf die österreichische Hauptstadt Wien, die ein „absolut gelungenes Beispiel im Umgang mit Graffitis geschaffen hat“. Die durchaus konfliktträchtige Situation zwischen historischen Bauten und Jugendkultur sei vergleichbar mit der von Potsdam. Die Wiener böten im Internet einen Wegweiser mit allen legalen Spray-Flächen an, gleichzeitig sind die Wände im Stadtbild mit einem Piktogramm gekennzeichnet. „Dazu gibt es Regeln, zum Beispiel, dass leere Spraydosen natürlich entsorgt werden müssen.“ Das Wiener Konzept funktioniere, wie sie erfahren hat. Ähnliches wünscht sich die Kultur-Fachbereichsleiterin auch für Potsdam.

Veranstalter Benjamin Bauer begrüßte die gegenseitige Annäherung, machte aber auch deutlich, dass andere Konflikte noch nicht geklärt seien. So stehe die Anzeige der Stadt wegen der im November unerlaubten Nutzung der damals schon geschlossenen Skaterhalle für eine Party immer noch. Die Staatsanwaltschaft erklärte, derzeit noch zu ermitteln. „Warum ist die eine Party, die ebenso gut organisiert und friedlich war, eine Straftat, die andere, die wir jetzt am Wochenende feiern aber nicht? Warum kommt bei der einen eine Hundertschaft, während bei der anderen zwei Polizisten ausreichen, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist?“ Bauer forderte, dass der „unsachgemäße“ Polizeieinsatz aufgeklärt werde. Des weiteren ist die Situation der in Potsdam durchaus beachtlichen und aktiven Skaterszene unbefriedigend – erst recht nach der Schließung der Skaterhalle. „Wir haben nun kein Winterquartier.“ Das Wetter ermögliche nur bedingt Freiluft-Skaten. „Wenn überhaupt bleibt uns derzeit nur die Anlage im Garten des Lindenparks, aber auch die ist draußen und bei Kälte und Eis nicht nutzbar“, so Bauer. Deshalb wolle man für eine neue Skaterhalle kämpfen.

Die Graffiti-Bilder, die an den Wänden der alten Skaterhalle entstanden sind, sollen in einer Dokumentation den geplanten Abriss des Gebäudes überleben, kündigte indes die Kultur-Fachbereichsleiterin Birgit-Katharine Seemann an.

Kay Grimmer

Quelle:http://www.pnn.de/Pubs/potsdam/pageviewer.asp?TextID=16895

Wie schon auf dem 10 Jahre KASA Fest erwähnt, neue Sauberkeitsoffensive in Köln

18. Dezember 2008

„Sauberkeitsinitiative“

Köln soll viel sauberer werden

Von Ulrike Süsser und Jennifer Held, 17.12.08, 21:46h

Am Heinrich-Lübke-Ufer stellte Oberbürgermeister Fritz Schramma die neue „Sauberkeitsinitiative“ der Stadt vor. Köln stellt rund sechs Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre bereit.

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Mit dem Hochdruckreiniger wurde die Graffiti-Malerei bei der Sauberkeitsoffensive entfernt. (Bild: Süsser)

Rodenkirchen – Es soll schon einmal vorgekommen sein, dass ein Fahrradunterstand an einem P+R-Platz jahrelang vor sich hin schmuddelte, weil sich KVB, HGK und die Stadt nicht einigen konnten, wer für die Reinigung zuständig sei. Solches Kompetenzgerangel ist vorbei. Seit ein paar Jahren sind die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) für die Säuberung von Plätzen, Wegen und Straßen zuständig, das Amt für Landschaftspflege für alle Grünflächen. Köln sei schon viel sauberer geworden, meinte Oberbürgermeister Fritz Schramma. Nun gibt es zusätzliches Geld für Extra-Reinigungsaktionen aus dem städtischen Haushalt. Am Parkplatz am Heinrich-Lübke-Ufer gab Fritz Schramma jetzt den Startschuss für die neue „Sauberkeitsoffensive“ der Stadt.

Mitarbeiter der „Kölner Anti Spray Aktion“ (KASA) entfernten mit Hochdruck eine Graffiti-Bemalung an einer Mauer. Die „KASA“ ist der städtischen Gebäudewirtschaft angegliedert. Es wurden Lampen und Wartehäuschen gereinigt, Müll und Unkraut beseitigt. Vertreter von KVB, HGK und AWB sowie Bezirksbürgermeisterin, Monika Roß-Belkner, und der Verwaltungschef im Bezirksrathaus, Reiner Lindlahr, nahmen an der Sauberkeitsaktion teil. „Wir sitzen alle in einem Boot“, meinte KVB-Chef Walter Reinarz. Die Offensive begann in Rodenkirchen exemplarisch für alle neun Stadtbezirke.

Jeweils drei Millionen Euro hat die Stadt für dieses und für kommendes Jahr in den Haushalt eingestellt. Auf die Bezirke entfallen jeweils 125 000 Euro für 2008, und weitere 200 000 Euro für nächstes Jahr. Die Bezirke können frei über das Geld verfügen. Die Rodenkirchener Bezirksvertreter haben die Finanzspritze bereits für 30 Reinigungs- und Verschönerungsaktionen in den einzelnen Stadtteilen verplant. Beispielsweise sollen insgesamt 42 neue Sitzbänke und genau so viele Papierkörbe in den nächsten Wochen aufgestellt werden, vor allem am Leinpfad. Allein zwischen Südbrücke und Militärring wird es zehn Bänke und Papierkörbe geben. Auch wird die marode Holzbank am Nebeneingang des Sürther Friedhofs ersetzt. Weiterhin sollen zugewucherte Gehwege und Verkehrsinseln, wie an der Einmündung der Militärringstraße in das Oberländer Ufer, und ungepflegte Beete, wie am Vochemer Plätzchen, aufbereitet werden. Auch das historische gusseiserne Geländer am Rheinufer zwischen Rodenkirchener und Südbrücke kann mit dem zusätzlich Geld erhalten und hergerichtet werden.

Quelle: KSTA, 18.12.08

Helsink gibt seine Anti-Graffiti Politik auf!

24. November 2008

Die finnische Hauptstadt hat ihre Anti-Graffiti-Politik aufgegeben. Künftig sollen „Graffiti und andere Kunstwerke“ nicht mehr illegal sein.

Graffiti als Kunst wird in Helsinki nun anerkannt.

Graffiti als Kunst wird in Helsinki nun anerkannt.
Die finnische Hauptstadt Helsinki hat ihre Anti-Graffitipolitik aufgegeben. In einer am Samstag bekanntgewordenen Erklärung der Stadtregierung heißt es, Graffitikunst sei „auch Teil der Stadtkultur“. Künftig sollen „Graffiti und andere Kunstwerke“ auf Gebäuden im Stadtgebiet unter der Voraussetzung nicht mehr illegal sein, dass der Immobilieneigentümer mit ihrer Anbringung einverstanden ist.

Zu beachten sei aber der Unterschied zwischen „Malereien“ und „spontanen Schmierereien“. Damit sind vermutlich sogenannte Tags und Bombings gemeint. Die von Stadtrat Paavo Arhinmäki (Linkspartei) vorgeschlagene Erklärung der Lärmschutzmauer im neuen Lasthafen Vuosaari zur legalen Graffitiwand wurde abgelehnt. Stattdessen gehören Graffitimalereien laut der Stadtverwaltung „an solche Plätze, wo sie von einem möglichst großen Publikum gesehen werden können“. Vom Inhalt der Erklärung berichtete die finnische Tageszeitung „Helsingin Sanomat“ am Samstag in ihrer Online-Ausgabe.

Helsinki gehörte in den vergangenen Jahren zu jenen Städten Europas, die den entschiedensten Feldzug gegen jede Form von Graffiti führten. Es gehörte zum Ziel der erklärten „Nulltoleranz“-Politik, jede Form von Graffiti so rasch wie möglich vollständig zu entfernen. Wegen zunehmend begrenzter Finanzmittel hatte sich eine Änderung dieser Strategie seit rund einem Jahr bereits abgezeichnet.

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Artikel vom 24.11.2008 11:42 | APA | MH

Zukunft der Jugend liegt auf der Straße

19. November 2008

Von Franco Clemens, 17.11.08, 22:17h, aktualisiert 17.11.08, 22:18h

Für die Integration von Jugendlichen, besonders aus ethnischen Minderheiten, spielen Streetworker eine Schlüsselrolle: Im Idealfall können diese die Brücke ins gesellschaftliche Leben sein und Jugendgewalt vorbeugen. Dazu brauchen sie jedoch mehr Mittel – und auch rechtliche Sicherheit.

Franco Clement ist pädagogischer Leiter eines Jugendzentrums in Meran (Südtirol) und langjähriger Streetworker in Köln-Finkenberg.

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Franco Clement ist pädagogischer Leiter eines Jugendzentrums in Meran (Südtirol) und langjähriger Streetworker in Köln-Finkenberg.

Unser Autor deutet Jugendgewalt als Folge einer Spannung zwischen staatlicher Repression und den Bedürfnissen Jugendlicher. BILD: DPA

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Der öffentliche Raum hat für Jugendliche eine ganz besondere Bedeutung. Die heutige Jugendkultur hat aber ein gestörtes Verhältnis zum öffentlichen Raum, da er mit Verhaltensauflagen belegt ist, die mit den Interessen und Bedürfnissen von jungen Menschen kaum vereinbar sind. Unerwünscht oder gar verboten sind zum Beispiel laute Musik, Treffen in großen Gruppen, Motorengeheule, sportliche Aktivitäten wie Skaten, erste sexuelle Annäherungen Gleichaltriger, Graffiti. All dem steht aber kein adäquates Angebot an kommerzfreien, attraktiven Freiräumen seitens der Kommunen gegenüber, das sich an den Interessen Jugendlicher und junger Erwachsenen orientiert. So entsteht automatisch ein Spannungsverhältnis zu den Überwachungsorganen wie Polizei und Ordnungsamt, das – je nach persönlicher Repressionserfahrung – in eine latente Wut auf den Staat oder ein Wirtschaftssystem umkippen kann, welches die Bedürfnisse der Jugend ignoriert.

Ethnische Minderheiten und Migrantengruppen sind hier besonders aufmerksam zu betrachten. Diese neigen durch homogene Gruppenbildung dazu, ihre kulturellen Eigenheiten – wie Sprache und religiöse Vorstellungen, aber auch politische Weltbilder – zu erhalten, was eine Integration erschwert und zum Teil unmöglich macht. Sprach- und Bildungsdefizite, Diskriminierungserfahrungen, soziale Schieflage in Verbindung mit mangelnder Unterstützung durch staatliche Institutionen einerseits, der Überforderung in den (notwendigen) Anpassungsprozessen andererseits – all das führt die betroffene Minderheit und die jeweilige kulturelle Mehrheit schnell in einen Kreislauf gegenseitiger Schuldzuweisungen.

Öffentliche Anklagen, politische Instrumentalisierung und soziale Ausgrenzung sowie staatlich verordnete Unterbringung in ethnisch homogenen Wohnsilos oder Übergangsheimen verstärken die Neigung, an der alten Kultur festzuhalten, die man eigentlich durch die Migration schon abzulegen bereit war und der man sich nun als „hier geborener Ausländer“ wieder nähert. In manchen Migrantenkreisen führt dies zur Reanimierung rückwärtsgerichteter extremer politischer oder religiöser Weltbilder.

Nur wer etwas zu verlieren hat, wägt seine Interessen ab. Deshalb sind die Teilhabe an der Konsumgesellschaft in Form adäquat bezahlter Arbeit sowie ein flächendeckendes soziales Netz im Falle der Not ein unerlässliches Instrument zur Bewahrung des inneren Friedens. Eine Kommune, die sich für ihre Minderheiten und Jugendkulturen interessiert, wird in diesen Gruppen stets Ansprechpartner finden, die die Integration aus eigenem Antrieb voranbringen. Im Spannungsfeld zwischen falscher Toleranz und sträflicher Ignoranz wurde es aber bisher in vielen Kommunen versäumt, sich den Schattengesellschaften und Jugendkulturen zu widmen. Speziell die Jugend lässt sich dank ihrer emotionalen Ansprechbarkeit und ihrer nachvollziehbaren Bedürfnisse über entsprechende Angebote, Aufklärung und pädagogisch geschulten Umgang gut erreichen oder wieder „einfangen“.

Die Jugendarbeit und insbesondere die Arbeit der Streetworker ist dabei der Schlüssel zum Erfolg, wenn sie nicht von politischen und wirtschaftlichen Interessengruppen mit Rückhalt in Parteien und Medien ausgebremst werden. Kompetente Streetworkerarbeit bedeutet, Zugang zu bereits bestehenden Jugendgruppen zu bekommen, Vertrauen zu entwickeln und die Klientel entweder in eine schon vorhandene Angebotsstruktur einzubinden oder ihnen individuelle Hilfen in Kooperation mit öffentlichen Einrichtungen anzubieten.

Fehlt es daran, reduziert sich die Streetworkarbeit formal auf die Lösung aktueller Konflikte und dient der Kommune lediglich als Informationsquelle über aktuelle Entwicklungen in der Szene. Im Idealfall ist Streetworkarbeit aber die Brücke für eine Integration ihrer Klientel. Nur braucht sie dafür eben die entsprechenden Instrumente sowie – eine „informelle Ebene“ im Kontakt mit Polizei und Ordnungsamt, um pädagogisch Einfluss nehmen, Verhaltensänderungen herbeiführen oder verdeckt bei der Aufklärung von Straftaten helfen zu können.

Nicht umsonst wird vielerorts gefordert, dass Streetworker – wie Pfarrer, Ärzte und Anwälte – einer bestimmten Form der Schweigepflicht beziehungsweise das Recht auf Informationsverweigerung gegenüber der Justiz haben. Die Mitwisserschaft bei kleineren Straftaten wie etwa Drogenkonsum oder kleineren Diebstählen und die Kenntnis über organisierte Strukturen mit krimineller Energie gehören zum Alltag der Streetworker, die im Auftrag des Staates täglich einen schwierigen und zum Teil gefährlichen Grenzgang vollziehen müssen.

Quelle: KSTA..18.11.2008

http://www.ksta.de/html/artikel/1226655088870.shtml

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