Fresh

Kolloquium “Was ist Jugendarbeit”

3. Januar 2016

Auch in 2016 findet vom 17.-18.Februar  das jährliche Kolloquium der Jugendarbeitsforschung und -theorie „Was ist Jugendarbeit” imLWL-Bildungszentrum Jugendhof Vlotho statt. Ziel des Kolloquiums ist es, die wissenschaftliche Jugendarbeitsszene in Kontakt zu bringen und im Diskurs zu halten, den (Forschungs- und Theorie-)Stand der Jugendarbeit zu diskutieren, Jugendarbeit kritisch-konstruktiv zu reflektieren und ihre Weiterentwicklung zu unterstützen. Der Diskussionsstil ist freundschaftlich offen und unterstützend. Vor Ort werden Beiträge aus Forschung und Theorie der Jugendarbeit präsentiert. Dazu gehören auch Forschungsideen, Forschungskonzepte (Projektanträge), Dissertationen (und Pläne dafür), Zwischenergebnisse, Thesenpapiere, interessante Praxisreflexionen, Resolutionen, Versuche, Provokationen u.v.m. 

Ich freue mich erneut darauf an diesem Kolloquium teilzunehmen und wichtige Anregungen und Erkenntnisse für meine Tätigkeitsfelder mitnehmen zu können.

 

 

3. Treffen Kölner Stammtisch für Jugendarbeit 

26. Oktober 2015

d.Wir laden erneut herzlich zum Kölner Stammtisch für Jugendarbeit am 28.10.2015 ein. Zu Gast wird Frau Monika Baars, Abteilung Kinderinteressen und Jugendförderung im Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln sein. Darüber freuen wir uns sehr.Anlass für dieses Gespräch sind zum einem die neuen Richtlinien zur Förderung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Köln, sowie das zugehörige Berichtswesen für die Jugendeinrichtungen. Nachdem wir hieraus Ausschnitte angeschaut haben, möchten wir gerne gemeinsam darüber diskutieren.

 Das 3. Treffen findet um 16:30 Uhr statt. Wir treffen uns im 2. Stock des Gebäudes Ubierring 48a in 50678 Köln. 

 

Wie politisch ist American Graffiti?

26. Oktober 2015

#nohogesa #0221bleibtnazifrei

Anlässlich der Hogesa Veranstaltung vom 25.10.2015 in Köln.

  
Literaturhinweis:

Politische Kommunikation im öffentlichen Raum am Beispiel von Graffiti.

  
http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-531-92228-7

Referent auf der Herbstdiözesanversammlung der KJLB Köln

18. Oktober 2015

Vom 24.-25. Oktober findet die Herbstdiözesanversammlung der KJLB im Haus Venusberg in Bonn statt. Im Studienteil zum Thema “Jugendkultur und Szenen”, werde ich am 24.10. als Referent einen Vortrag zum Thema:  “Gesellschaftliches Engagement von Jugendlichen in/durch Jugendkulturen fördern” halten.

Ich freue mich sehr auf die 30 Teilnehmenden und eine konstruktive Diskussion.

Link:http://www.kljb-koeln.de

 

 

Gastvortrag “Subjektorientierte offene Jugendarbeit”

11. September 2015

Freut sich sehr über die Einladung zu einem Gastvortrag im Praxiszentrum Jugend an der TH Köln. Das Thema und der Inhalt des Gastvortrages beziehen sich auf die Theorie der subjektorientierten Jugendarbeit, der Fokus liegt im weiteren Verlauf auf meinem Handlungsfeld der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Termin:

TH Köln

Mittwoch, 09.12. 2015

 

 

Kölner Stammtisch für Jugendarbeit

8. Juni 2015

Liebe Kolleg*innen, Studierende, Ehemalige,

die Gründung des Kölner Stammtisch für Jugendarbeit am 21.05.2015 resultiert aus dem  Interesse einen Dialog zwischen Forschung und Praxis zu eröffnen. Diese Initiative richtet sich an Studierende und Kolleg*innen aus Wissenschaft und Praxis der Jugendarbeit und Jugendförderung, die sich einem Jugendarbeitsverständnis auf der Grundlage des § 11 des SGB VIII / KJHG verpflichtet fühlen und an einem fachlichem Austausch sowie gemeinsamer Lektüre interessiert sind.

Bei unserem letzten Treffen hatten wir über die schwierige finanzielle Situation der Jugendarbeit gesprochen (insbesondere verstärkte Projektförderung bei reduzierter Strukturförderung) und deren Auswirkung auf die Ausgestaltung der Praxis diskutiert. Wir entwickelten die These, dass die  aktuelle Situation der Jugendarbeit sich auch als fortschreitende Formalisierung des Nonformalen verstehen lässt.

Wir möchten dazu einladen die aktuellen Prozesse in der Jugendarbeit gemeinsam mit einer kritischen Analyse der Rahmenbedingungen und vorherrschenden Einflüsse zu begleiten. Für unser kommendes Treffen würden wir gerne nach den unterschiedlichen Akteuren der Jugendarbeit und Jugendförderung und nach den konkreten Einflussfaktoren auf die Jugendarbeit im Kölner Raum schauen.

Als Diskussionsgrundlage und Einstieg ins Thema kann der Text „Jugendarbeit verkehrt“ von Albert Scherr und Benedikt Sturzenhecker dienen.

Das  2. Treffen  findet am 09.07.2015 um 18:30 Uhr statt. Wir treffen uns im 2. Stock des Gebäudes Ubierring 48a in 50678 Köln. Die Räume des Forschungsschwerpunktes Nonformale Bildung befinden sich im 1. Stock.

 

Für den Kölner Stammtisch für Jugendarbeit

 

Yasmine Chehata (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung)

Maurice Kusber (Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln)

Stefan Schäfer (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung und Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln)

Andreas Thimmel (Professor an der FH Köln und Leiter des Forschungsschwerpunktes Nonformale Bildung)

Nils Wenzler (Lehrbeauftragter an der FH Köln und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH Düsseldorf)

 

Einladung “Kölner Stammtisch Jugendarbeit”

7. Mai 2015

Kölner Stammtisch Jugendarbeit

Liebe Kolleg*innen, Studierende, Ehemalige,

hiermit laden wir Sie/Euch herzlich zum 1. Treffen des Kölner Stammtischs Jugendarbeit am 21.05.2015 um 18:30 Uhr ein. Das Treffen findet im 2. Stock des Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung statt. Der Standort des Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung befindet sich am Ubierring 48a in 50678 Köln.

Der Kölner Stammtisch Jugendarbeit richtet sich an Studierende und Kolleg*innen aus Wissenschaft und Praxis der Jugendarbeit, die sich dem §11 verpflichtet fühlen und an fachlichem Austausch sowie gemeinsamer Lektüre interessiert sind.

Der Kölner Stammtisch Jugendarbeit verfolgt das Ziel, einen Dialog zwischen Forschung und Praxis zu eröffnen, um die Jugendarbeit in emanzipatorischer Absicht weiter zu entwickeln und Möglichkeiten einer gemeinsamen jugendpolitischen Strategie aufzuzeigen.

Die Gründung des Kölner Stammtisch Jugendarbeit erscheint uns aus folgenden Gründen notwendig:

  • Weiterentwicklung von Praxis auf Basis wissenschaftlichen Wissens
  • Zunehmende und ordnungspolitische Auftragsbestimmung durch Politik und Verwaltung
  • Indienstnahme der Jugendarbeit zur Unterstützung des formalen Bildungssystems
  • Ökonomisierung der Jugendarbeit im Rahmen einer aktivierenden Sozial- und Bildungspolitik

 

Wir freuen uns auf alle, die an der Gründung des Kölner Stammtisch Jugendarbeit teilhaben wollen.

Yasmine Chehata (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung und Promovierende im Promotionskolleg TransSoz – Leben im transformierten Sozialstaat)

Maurice Kusber (Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln)

Stefan Schäfer (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung und Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln)

Andreas Thimmel (Professor an der FH und Leiter des Forschungsschwerpunktes Nonformale Bildung)

Nils Wenzler (Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln und Promovierender im Promotionskolleg TransSoz – Leben im transformierten Sozialstaat)

Vorüberlegungen zur Notwendigkeit des Kölner Stammtisch Jugendarbeit

16. April 2015


Autor: Maurice Kusber, 04/2015 

Kölner Stammtisch Jugendarbeit

 

Zur Notwendigkeit eines Kölner Stammtisch Jugendarbeit

 

Die Antwort auf die Frage: „Was ist Jugendarbeit?“, konnte seit deren Aufkommen in den 1960er- Jahren durch Vertreter der Erziehungswissenschaften für die Profession und die Disziplin der Sozialen Arbeit zielführend herausgearbeitet werden. Theorien einer bedürfnisorientierten, emanzipatorischen und subjektorientierten Jugendarbeit fanden praktische und konzeptionelle Umsetzungen, die sich an den Bedürfnissen, Interessen und Erfahrungen Jugendlicher orientieren. Die konzeptionelle Ebene (Cliquen-, Sozialraum- und Lebensweltorientierung) stärken das Profil und die Konturen von Jugendarbeit. Dieses fachliche Profil ermöglichte seinen Vertretern die Standpunkte einer emanzipatorischen und subjektorientierten Jugendarbeit, in den Auseinandersetzungen mit den immer wiederkehrenden Strömungen einer sozialen Kontrolle und Erziehung zur Anpassung zu vertreten (vgl. Scherr/ Sturzenhecker, S. 369). Kinder- und Jugendarbeit[1] fungiert seitdem als eigenständiges sozialpädagogisches Handlungsfeld und umfasst „ alle außerschulischen und nicht ausschließlich berufsbildenden, vornehmlich pädagogisch gerahmten und organisierten, öffentlichen, nicht kommerziellen bildungs-, erlebnis- und erfahrungsbezogenen Sozialisationsfelder von freien und öffentlichen  Trägern, Initiativen oder Arbeitsgemeinschaften“ (Thole 2000, S. 23). Der Bezug zu den individuellen Bedürfnissen, das widerständige Potential von Jugendkulturen, sowie die Bezugnahme von Jugendlichen als soziale Wesen im Rahmen sozialer Beziehungen und gesellschaftlicher Werte, sind elementare Grundpfeiler der Jugendarbeit.  Die rechtliche Grundlage der Jugendarbeit bildet das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG-Sozialgesetzbuch VIII) und definiert die Aufgaben insbesondere in §11. Als Schwerpunkte der Jugendarbeit können nach § 11 die außerschulische Jugendbildung, internationale Jugendarbeit, die arbeitswelt-, schul- und familienbezogene Jugendarbeit, Kinder- und Jugenderholung, Jugendberatung, sowie die Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit benannt werden. Zu den Zielen der Jugendarbeit zählen unteranderem die „Unterstützung Jugendlicher bei der Kultivierung ihres Eigensinns, bei der Entwicklung und Realisierung von Entwürfen eines guten eigenen Lebens und von Vorstellungen über eine anstrebenswerte Gesellschaft“ (Scherr/ Sturzenhecker 2014, S. 369).

 

Die Konturen dieses gegebenen Verhältnisses (Subjekt- und Demokratiebildung in der Jugendarbeit gerahmt im Spannungsfeld einer politischen Einverleibung der Institutionen der Jugendarbeit), erfahren momentan eine unangenehme Aktualität.  Jugendarbeit wird durch Sozialpolitik, Sicherheitspolitik und Bildungspolitik vermehrt als ein Instrument der Befriedung von delinquentem Verhalten, sowie der Unterstützung von formaler Bildung beansprucht. Der Fokus liegt dabei auf der Reproduzierbarkeit der nachwachsenden Generationen im Fahrwasser von (inter)-national stattfindenden, neoliberalen Humankapitaldiskursen.

Im Folgenden soll es darum gehen sich zutragende Strömungen zu hinterfragen und weiterhin Möglichkeiten einer an der Lebenswelt orientierten Jugendarbeit aufzuzeigen. Zur Diskussion stehen die gesellschaftlichen,  strukturellen und ökonomischen Bedingungen des Aufwachsens Jugendlicher. Wo liegen zukünftig die Chancen einer Jugendarbeit als Ort der Reflexion dieser Verhältnisse unter der Bezugnahme des Eigensinns von Jugendlichen? Eine an der Lebenswelt der Jugendlichen sich orientierende Jugendarbeit, benötigt weiterhin gut funktionierende Bedingungen subjektive Handlungsfähigkeit erwachsen zu lassen. Selbstbewusstsein, Selbstbestimmungsfähigkeit und Bildung sind die Basis einer ganzheitlichen Subjektbildung.

Letztendlich stellt sich auch für die Zukunft der Jugendarbeit die Frage, welche außerschulischen und sozialpädagogischen Möglichkeiten Jugendlichen weiterhin gegeben werden können und in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen.

Literatur:

Thole, Werner (2000): Kinder- und Jugendarbeit. Eine Einführung. Weinheim und München: Juventa

Scherr, Albert/ Sturzenhecker, Benedikt (2014): Jugendarbeit verkehrt. Thesen gegen die Abwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit durch ihre Fachkräfte. In: deutsche Jugend. 62.Jg. 2014, Heft 9, S. 369- 376.


[1] Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung wird im Laufenden Text  der Begriff „Jugendarbeit“ benutzt, er schließt aber auch die Arbeit mit Kinder ein und ist daher im Sinne einer zusammengehörigen „Kinder- und Jugendarbeit“ zu verstehen.

Graffiti Magazine #19 vs. Masterthesis Hard to Buff Diskursanalyse der Ausgaben des „Graffiti Magazine“ in Hinblick auf die Darstellung kultureller Identität von Graffiti Writern

28. Dezember 2014

Nach langer Zeit geht das Graffiti Magazine in die nächste Ausgabe: Das GRAFFITI MAGAZINE mit der Ausgabe 19 / Winter 2014. 64 Seiten. Zum Inhalt: FYA, Dortmund Oldschool, KJ263, ein Freight Spezial, SCREW, Sergei Kravinoff und einiges mehr.

Diesen Anlass greife ich gerne auf und stelle bei Interesse, meine Masterthesis auf Anfrage zu wissenschaftlichen Zwecken bereit. Das Graffiti Magazine war/ist der Forschungsgegenstand meiner Masterthesis mit dem Titel “Hard to Buff. Diskursanalyse der Ausgaben des „Graffiti Magazine“ in Hinblick auf die Darstellung kultureller Identität von Graffiti Writern” gewesen.

Hier eine Preview der Arbeit:

Bereits in der frühen Kulturgeschichte der Menschheit entwickelte sich die kulturelle Praxis des Anbringens von Inschriften in Form von Höhlenzeichnungen. Über die Jahrhunderte hinweg zeigte sich diese Ausdrucksform, analog zum (technologischen) Fortschritt, in Form von Schmähinschriften z. B. auf den Häuserwänden Pompeis und entwickelte sich hin zu modernen Varianten in Form der Bemalung bzw. Beschriftung von Mauern, Wänden,Zügen und anderen Flächen beispielsweise mit Marker-Stiften oder Sprühdosen. Die beschriebenen Formen subkultureller Inschriften werden heute unter dem Begriff Graffiti zusammengefasst (vgl. Kreuzer 1986, S. 128). Die Darstellungen sind dabei als vielfältige Botschaft zu verstehen: Neben der bloßen Bekundung der Existenz des Urhebers, bestehen darüber hinaus direkte und indirekte Botschaften an einzelne Personen oder Personengruppen bis hin zu Botschaften an die Gesellschaft (vgl. Schütz 1993). Diese kommunikativenBotschaften lassen sich als soziale Interaktion abstrahieren. Die Voraussetzung für soziale Interaktion, als wechselseitiger Prozess zwischen (sozialer) Umwelt und Individuum, aber gleichermaßen auch das Produkt dieser, wird mit dem Begriff der Identität beschrieben (vgl. Simon & Trötschel 2007). Identität wird dabei einerseits als das Wissen über individuelle Eigenschaften und Eigenheiten (individuelle Identität) und im Zusammenhang mit der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen (soziale Identität) beschreiben (vgl. Bierhoff 2011). Die Identität ist insofern unter anderem als bedeutsames Konzept bei der Erstellung von Graffiti zu verstehen (vgl. Macdonald 2001). Neben den beiden genanntenIdentitätskonstrukten der individuellen und sozialen Identität, die das Individuum als Träger der Identität beschreiben, bezeichnet die kulturelle Identität die kollektive Identität einer Gruppe, eines Milieus oder einer (Sub)kultur. Kulturelle Identitäten „reflektieren (…) die gemeinsamen historischen Erfahrungen und die gemeinsam genutzten kulturellen Codes (…) die uns (…) unabhängig von den sich verändernden Spaltungen und Wechselfällen (…) einen stabilen, gleichbleibenden und dauerhaften Referenz- und Bedeutungsrahmen zur Verfügung stellen“ (Hall 1994, S. 27). Kulturelle Identitäten lassen sich also zwar als Orientierungsrahmen beschreiben, unterliegen aber aufgrund der vielfältigen Einflussfaktoren im Sinne der Subjekte, einem permanenten Wandel durch kollektiven Diskurs. In Bezug auf die Graffiti Szene lässt sich die kulturelle Identität von Graffiti Writern als eingebettet in den historischen Entstehungskontext und die weitere Entwicklung der Graffiti Kultur sehen. Die verbreitetste Form des modernen Graffiti ist das American bzw. New York Style Graffiti (Reinecke 2012, S. 29) das in den frühen Siebziger Jahren in New York seinen Ursprung hatte. Dort entstand in dieser Periode die Graffiti Kultur, die sich in ihrer Auslebung verschiedener Formen, Stile und Regeln in Bezug auf die Art der Anbringung, der Größe, der verwendeten Materialien und weiterem bedient (vgl. Castleman 1997, S. 20-51). Darunter fallen kurze Namenssignaturen, die mit Sprühdose oder Markern angebracht werden, sowie großflächige Buchstaben und Bildkompositionen die mit Sprühdosen aufgetragen werden. Diese Namenssignaturen nennen sich in der Szenedefinition „Tags“ und werden ungefragt und illegal angebracht. Laut Castleman (vgl.1997, S. 19-20) geht es Writern dieses Stils um „Getting up“ und „Fame“, das heißt um die Szeneinterne Anerkennung der eigenen Leistung und dem Ansteigen des Ansehens innerhalb der Szene. Diese Ziele werden in der aktuellen Literatur als die immer noch vorherrschenden Elemente dieser Kultur beschrieben (vgl. Reinecke 2012, S. 31). In Bezug auf die vorliegende Arbeit liegt hier ein elementarer Aspekt insofern, als das Erlangen von Popularität und Respekt durch die Entwicklung und Präsentation eines besonderen Stiles für die kulturelle Identität des Kollektivs (der Writer) bedeutet, dass einzelne Writer die Identität zu einem größeren Teil mitgestalten als andere. Voraussetzung dafür ist allerdings eine möglichst szenenweite Repräsentation bzw. Verbreitung des Stiles durch Bildmaterial. Die Ausgestaltung der kulturellen Identität einer Szene, die durch Typografien (Meier 2007) repräsentiert wird, durch Subjekte dieser, ist insbesondere von dem Grad der Verbreitung einzelner Typografien abhängig. Vor allem dann, wenn es sich um eine international und im Falle der Graffiti Szene zudem noch eher untergründig agierende Szene handelt. Dazu kommt die Besonderheit der Bewertungskriterien für gute Stiles bzw. die Grundlage für das Erlangen von Fame: ein eigener, möglichst einzigartiger Style, exklusive Plätze (z. B. Häuserdächer, Züge etc.) und der Grad der Illegalität (desto mehr,desto besser). Die Verbreitung und folglich Bewertung entsprechender Pieces kann aufgrund der Ortsgebundenheit der Pieces (mit Ausnahme der Züge [s. Kapitel 2.2]) nur medial stattfinden. Gleiches gilt für eine wissenschaftliche Analyse.

Im Rahmen der vorliegendenArbeit wird dieser Gedankengang aufgegriffen. Das Forschungsinteresse liegt in der kulturellen Identität bzw. der Darstellung dieser. Als Medium bieten sich Graffiti-Magazine an, da sie selbst historisch gewachsen – zumindest vor der weltweiten Verbreitung des Internets – das Hauptverbreitungsmedium für Styles und Pieces waren. Der Grund dafür, trotz der mittlerweile großen Verbreitung von Pieces über das Internet ist, dass die Magazine eine bestimmte, konstante, weniger beliebige Selektion und somit auch greifbaren, geschlossenen Diskurs darstellen. Darüber Hinaus stellt die Darstellung der gesprühten Signatur in diesen Medien für die Writer oftmals die einzige Möglichkeit dar ihre Graffiti Bilder zu präsentieren, da die Entfernung der Bilder auf Wänden und insbesondere auf Zügen ausgehend von den ersten Antigraffiti- und Reinigungsmaßnahmen der Achtziger Jahre in New York, auch in Deutschland, vor allem im Fall von Unternehmen oder Institutionen, zeitnah durch die Eigentümer erfolgt. Der Hintergrund dieser Null Toleranz Politik entspringt vermutlich pädagogischen Überlegungen in Bezug auf die mögliche positive Verstärkung der Writer, im lerntheoretischen Sinne (vgl. Hartung 2010), im Falle der öffentlichen Präsentation ihrer Pieces. Gerade aufgrund dieser sich zunehmend verschärfenden Ordnungspolitik (vgl. Wehrheim 2002), gewannen Graffiti Magazine vor der massenhaften Verbreitung des Internets zunehmend an Bedeutung und repräsentieren inhaltlich einen szeneinternen Diskurs und transportieren in diesem Sinne auch kulturelle Identität.

Der Fokus dieser Arbeit richtet sich daher auf die qualitative Analyse von Darstellungen, Texten und Graffiti Bildern innerhalb eines im Lokalraum Rhein-Ruhr vertriebenen Szenemagazines mit dem Namen „Graffiti Magazine“. Die Darstellungen innerhalb der achtzehn Ausgaben des „Graffiti Magazine4“ befassen sich vordergründig textlich und visuell mit dem Eingangs erwähnten American bzw. New York Style Graffiti .Die Ausgaben sind im Zeitraum vom Winter 2005 bis Juli 2012 erschienen. In den Magazinen werden Graffiti Bilder, Berichte und Reportagen zum Thema Graffiti, Berichte über einzelne Graffiti Writer und Graffiti Crews5, sowie Texte in essayistischer Form dargestellt. Gast-Autoren und Redakteure sowie Szeneaktivisten schreiben Artikel und verfassen Berichte innerhalb der Ausgaben. Die Darstellungen in den Magazinen sind als Medien für Zuschreibungsprozesse im Bereich der kulturellen Identität von Writern zu verstehen. Die Authentizität des Dargestellten ist hoch, die Informationen sind von der Szene für die Szene, sie stellen soziales Handeln dar. Die Gruppe der Writer wird in diesem Zusammenhang mit Fremdzuschreibungen und Legenden über die eigene Historie konfrontiert. In den Magazinen wird eine soziale Wirklichkeit konstruiert, die von den Rezipienten interpretiert wird; die Erfahrungen von Erlebtem und von Zuschreibungen wirken sich so auf die „gegenwärtige soziale Wirklichkeit und ihre alltäglichen Handlungspraxen und ihre Selbstpräsentationen aus“ (Keller 2013, S. 262).

Zusammengefasst entsteht die Bedeutung von Graffiti für die Writer durch die Zuschreibungen, die Graffiti Szeneintern und Szeneextern erhält. Die Magazine ermöglichen so eine Analyse der Darstellung der kulturellen Identität von Writern über einen geschlossenen Zeitrahmen. Der so gegebene Zugang zum Feld ermöglicht die „Welt“ des Graffiti aus Sicht der Handelnden zu erfassen und die Diskurse zu verstehen, die möglicherweise einen Einfluss auf die Entwicklung und Darstellung der kulturellen Identität von Writern haben.

Der gewählte Forschungsgegenstand in Gestalt von Graffiti Magazinen ermöglicht durch die wissenssoziologische Diskursanalyse eine genaue Betrachtung. In der vorliegenden Arbeit wird versucht im Rahmen sozialwissenschaftlicher Forschung menschliches Verhalten in natürlichen Situationen zu verstehen und zu erklären. Das neu gewonnene theoretische Wissen soll die Ursachen des Wandels menschlichen Handelns anhand valider Daten nachvollziehbar erklären. Die bisherigen Zugänge Sozialer Arbeit zu dieser Zielgruppe resultieren primär aus den Erfahrungen szenespezifischer Jugendkulturarbeit (Kusber / Renken / Müller 2013, S. 309-320). Für die Relevanz Sozialer Arbeit als praxisnahe Wissenschaft der selbigen, stellt die vorliegende Arbeit neben den bereits publizierten empirischen Untersuchungenz. B. zu Raumkonzepten von Writern (Schneider 2012), einen weiteren fundierten Zugang zu dieser Zielgruppe dar. Für die Praxis Sozialer Arbeit bedeuten diese Erkenntnisse einen theoretischen Zugang zur Lebenswelt von Jugendlichen um Wandlungsprozesse nachzuvollziehen und um methodisch auf die Veränderung der selbigen im Sinne einer professionellen Hilfe zur Lebensbewältigung (Böhnisch 2012) reagieren zu können. Soziale Arbeit kann so auf Probleme reagieren, die Jugendliche: „… bei der Entfaltung von Individualität und Identität und der sozialen Integration in die verschiedenen Bereich der Gesellschaft haben“ (vgl. Hurrelmann 2012). Szenemagazinen spiegeln unter anderem die Wahrnehmung illegaler Graffiti wider. Diese sind rückgebunden an die sie rahmenden sozialen, historischen, technischen, kulturellen, medialen und vor allem auch urbanen Kontexte, die sie hervorbringen, sowie die Lebensweisen, Einstellungen und Motivation der Szenegänger des American Graffiti (vgl. Schierz im Erscheinen, S. 7). Dies tellt die Begründung für den gewählten Forschungszugang über Bilder, Texte und Interviews in Graffiti Magazinen dar. Die qualitative Sozialforschung zielt darauf ab alltägliches Handeln in seiner Komplexität zu verstehen und Entwicklungs- und Entstehungsprozesse vor dem Hintergrund der „historischen Entfaltung, Stabilisierung und Veränderung von Diskursen und deren Machteffekten“(Keller 2013, S. 44) zu rekonstruieren. American Graffiti, dargestellt in Szene Magazinen funktioniert in diesem Fall als ein Prozess der Identitätsbildung (vgl. Schnoor 2007, S. 211) und gleichzeitig als Distinktionsrahmen (vgl. Diaz-Bone 2011). Der thematische Gegenstand der Magazine hat eine tiefe Bedeutung und sinnstiftenden Gehalt für den Lebensstil. Die Einbindung der Magazine in die Lebensführung steht für eine diskursiv gewinnbringende Einbindung des Mediums in die Lebensführung (vgl. Diaz-Bone 2011, S. 201). Die Entscheidung das Thema Graffiti als diskursives Feld im Rahmen des Forschungsvorhabens zu definieren, ermöglicht im Verlaufe der Arbeit die Entstehung und Analyse zu Aussagen der kulturellen Identität und der in diesem Feld herrschenden Diskurse herzustellen. Zur systematischen Analyse wird im Rahmen dieser Arbeit die Methode der Grounded Theory angewandt. Sie ist ein wissenschaftstheoretisch in der Hermeneutik begründeter Forschungsstil und umfasst mehrere Einzeltechniken mit deren Hilfe schrittweise in Daten begründete Theorien entwickelt werden können. Die theoretische Grundlage der Grounded Theory ist der Symbolische Interaktionismus (Mead 1968). Diese Herkunft findet ihren Niederschlag in der grundlegenden Annahme, dass im Mittelpunkt der Sozialforschung menschliches Handeln und menschliche Interaktionen stehen und dass Handeln und Interaktion nicht durch physikalische Umweltreize, sondern durch symbolvermittelte Interpretationen bestimmt werden. Auf der Grundlage empirischer Daten, meist qualitativer Daten geht es darum aus dem vorgegebenen Datenkorpus strategisch eine Theorie zu entdecken. Die methodologischen Überlegungen anhand des Gegenstandes – den Magazinen – schließen die Vorüberlegungen.

Zur genauen Nachzeichnung der hier dargestellten theoretischen Skizze, wird im Folgenden zunächst die Entstehungsgeschichte des American Graffiti gezeigt, um den kulturellen Ursprung und die schon früh einsetzende Interaktion von Graffiti Szene und Ordnungspolitik und deren tiefgreifende Folgen für die kulturelle Identität zu nachvollziehen zu können. Eine differenzierte Betrachtung der Geschichte der Graffiti Szene vor dem Hintergrund identitätstheoretischer Überlegungen wird nachfolgend durch die theoretischenDarstellungen  ermöglicht.

“HipHop Family Tree”. Comic Buch und HipHop Geschichte – ein etwas anderer Zugang zur HipHop Kultur

28. Dezember 2014

 

Hier der Hinweis auf einen wunderbaren Zugang  zur Entstehung der HipHop Kultur in Form eines Comic Buches. “HipHop Family Tree” von Ed Piskor. Erhältlich auch in Deutsch im Metrolit Verlag, ich empfehle jedoch die Originalausgabe. Link: http://www.metrolit.de/programm/graphic-novel/hip-hop-family-tree

 

 

 

 

Passend dazu die folgenden drei Videos mit Falk Schacht und Niko von Backspin TV. HipHop Kunde am Beispiel von “HipHop Family Tree” und zwar mit der deutschen Übersetzung. Nicht nur für HipHop Nerds ein Muss….Rap wurde nicht durch SIDO und Co erfunden.

Hip-Hop Geschichtsstunde mit Falk und Niko – Wie hat Hip-Hop angefangen? (Part 1/3)

Stromausfall in New York – Lichtblick für Hip-Hop (Part 2/3)

 

 

Die HipHop Geschichte und der Weihnachtsmann (Part 3/3)

Seitenanfang

Seitenanfang