{"id":457,"date":"2010-07-01T20:32:37","date_gmt":"2010-07-01T18:32:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maurizone.de\/?p=457"},"modified":"2010-07-01T20:32:57","modified_gmt":"2010-07-01T18:32:57","slug":"graffiti-sprayer-oder-schlager-was-ist-ein-intensivtater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maurizone.de\/?p=457","title":{"rendered":"Graffiti Sprayer oder Schl\u00e4ger. Was ist ein Intensivt\u00e4ter?"},"content":{"rendered":"<p>Interview vom ZDF durchgef\u00fchrt:<\/p>\n<h1>ZDF.reporter<\/h1>\n<h2>Graffiti-Sprayer oder Schl\u00e4ger &#8211; was ist ein Intensivt\u00e4ter?<\/h2>\n<h3>Kriminologe Prof. Dr. Sonnen im Interview<\/h3>\n<p>Immer wieder h\u00f6rt man in Zusammenhang mit Jugendkriminalit\u00e4t den Begriff des so genannten Intensivt\u00e4ters. Doch was bedeutet er juristisch und noch wichtiger: Wie kann sich die Gesellschaft vor Intensivt\u00e4tern sch\u00fctzen? ZDFonline interviewte den Kriminologen Professor Dr. Bernd-R\u00fcdiger Sonnen von der Universit\u00e4t Hamburg.<\/p>\n<div>\n<ul>\n<li>Sendung vom 01.07.2010<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> Wie definiert die Kriminologie den Begriff des Intensivt\u00e4ters?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Bernd-R\u00fcdiger Sonnen:<\/strong> Intensivt\u00e4ter ist in der Tat kein exakt definierter Begriff. In Fachkreisen versteht man darunter wiederholt straff\u00e4llig gewordene T\u00e4ter. In Berlin spricht die Polizei von einem Intensivt\u00e4ter, wenn dieser zehn Straftaten von einiger Schwere pro Jahr ver\u00fcbt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> W\u00e4re Diebstahl ein Delikt von einiger Schwere?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong> Da sind wir schon im Grenzbereich. Es m\u00fcsste sich schon um einen besonders schweren Diebstahl handeln.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> Wie viele der begangenen Straftaten gehen zu Lasten von Intensivt\u00e4tern?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong> Eine Gruppe von drei Prozent der Straft\u00e4ter ist verantwortlich f\u00fcr 30 Prozent der Straftaten. Das ist schon betr\u00e4chtlich.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> Wie entwickeln sich Menschen zu Intensivt\u00e4tern?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<h2>Zitat<\/h2>\n<div>\n<h3>\u201eEine Gruppe von drei Prozent der Straft\u00e4ter ist verantwortlich f\u00fcr 30 Prozent der Straftaten.\u201c<\/h3>\n<div>Professor Bernd-R\u00fcdiger Sonnen, Universit\u00e4t Hamburg<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong> Es gibt Muster und Risikofaktoren. Eine Schul- oder Berufsausbildung ohne Perspektive geh\u00f6ren dazu, ebenso soziale oder finanzielle Notsituationen oder Gewalterfahrung als Opfer. Wer Gewalt in seiner Kindheit als Alltag und Probleml\u00f6sung erlebt hat, neigt sp\u00e4ter oft selbst zur Gewaltanwendung. Fairerweise muss man aber auch sagen: Wer in den Polizeiakten bereits als Intensivt\u00e4ter gef\u00fchrt wird, wird viel h\u00e4ufiger und intensiver kontrolliert. Und so \u00f6fter ertappt. Diese Person nimmt dann die Rolle als Intensivt\u00e4ter an, sie wird zu seinem Selbstverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> Ist der Anteil von Jugendlichen unter den Intensivt\u00e4tern besonders hoch?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong> Es stimmt schon, Jugendliche sind in dieser Gruppe \u00fcberprozentual vertreten. Das liegt aber auch an Besonderheiten wie beispielsweise der Graffiti-Szene. Sprayer tauchen h\u00e4ufig als Intensivt\u00e4ter in den Statistiken auf. Wer zehnmal sprayt, macht sich der Sachbesch\u00e4digung schuldig und gilt als Intensivt\u00e4ter.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> In Anbetracht der Anzahl von Hip-Hop-Partys, die jedes Wochenende stattfinden, eigentlich keine sonderlich hohe Quote. Zudem mutet eine bespr\u00fchte Mauer im Vergleich zu verpr\u00fcgelten Rentnern fast wie ein Kavaliersdelikt an.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/reporter.zdf.de\/ZDFde\/s_img\/109\/0,6992,7024621-render-L4-,00.jpg\" alt=\"Professor Dr. Bernd-R\u00fcdiger Sonnen lehrt Kriminologie an der Universi\u00e4t Hamburg. Quelle: ZDF\" width=\"116\" height=\"88\" \/><\/p>\n<div>ZDF<\/div>\n<div>Professor Sonnen<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong>K\u00f6nnte man meinen. Aber Sachbesch\u00e4digung geh\u00f6rt zu Eigentumsdelikten und ein aufgespr\u00fchtes Graffiti zu beseitigen, kann mitunter sehr teuer oder in manchen F\u00e4llen gar unm\u00f6glich sein.<\/p>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> Wie kann sich die Gesellschaft am wirksamsten vor Intensivt\u00e4tern sch\u00fctzen? Sie verantworten ja schlie\u00dflich 30 Prozent der Straftaten.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong> Das gesamte Jugendstrafrecht ist einem einzigen, alleinigen Ziel untergeordnet: die Verhinderung einer Wiederholungstat! Das ist nicht nur der wirksamste Schutz f\u00fcr die Gesellschaft, sondern auch im Interesse der Opfer. Und Wiederholungstaten verhindert man &#8211; wie die Praxis gezeigt hat &#8211; durch: Hingucken, schnelle Ermittlungen und Verurteilung. Das &#8222;Erwischt werden&#8220; hinterl\u00e4sst bei Jugendlichen in der Regel einen nachhaltigen Eindruck.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> Das bedeutet: Mehr Polizei und h\u00e4rtere Strafen ergeben weniger Intensivt\u00e4ter?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong> Ohne Pr\u00e4vention geht diese Gleichung nicht auf. Eine gewaltfreie Gesellschaft, Erziehung zum Kindeswohl in Kinderg\u00e4rten und Schulen sind unverzichtbar. Jugendliche brauchen Erfolgserlebnisse. Erhalten sie diese nicht im pro-sozialen Bereich, suchen sie ihre Best\u00e4tigung au\u00dferhalb der Gesellschaft, im asozialen Bereich. Ich spreche immer von einer Pyramide des Lernens: Die Basis bilden die Eltern und das soziale Umfeld, an der Spitze steht das Jugendstrafrecht. Fehler im Fundament kann das Strafrecht nicht ausgleichen &#8211; unabh\u00e4ngig, wie scharf es gestaltet wird.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> Gibt es eine konkrete Ma\u00dfnahme, die besonders erfolgreich ist?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong> Ja, der T\u00e4ter-Opfer-Ausgleich. Das ist empirisch eindeutig erwiesen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<h2>Infobox<\/h2>\n<div>\n<h3>T\u00e4ter-Opfer-Ausgleich:<\/h3>\n<p>Dabei handelt es sich um ein au\u00dfergerichtliches Verfahren, das die freiwillige Teilnahme beider Seiten voraussetzt. Durch diese Kommunikation zwischen T\u00e4ter und Opfer realisiert der T\u00e4ter oft erst die Folgen seiner Tat, da er sich in die Rolle des Opfers einf\u00fchlen kann. Seine Hemmschwelle steigt, wodurch das Risiko einer Wiederholungstat verringert wird. Das Opfer selbst sp\u00fcrt die Reue des T\u00e4ters und verliert Bedrohungs\u00e4ngste. Zudem nimmt das Opfer eine aktive Rolle ein und kann beispielsweise Schmerzensgeld einfordern.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> Macht es Sinn, zu differenzieren nach der Abstammung der T\u00e4ter?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong> Die Abstammung von Intensivt\u00e4tern in den Vordergrund zu r\u00fccken, ohne exakt differenzierte Statistiken zu haben &#8211; und die haben wir in Deutschland nicht &#8211; ist gef\u00e4hrlich. Dies f\u00f6rdert Vorurteile. Empirisch erwiesen ist, dass bei unbelasteten Familien der Migrationshintergrund kaum noch eine Rolle spielt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline:<\/strong> Und bei belasteten Familien? Bei Personen mit Migrationshintergrund und den von Ihnen genannten Risikofaktoren?<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Sonnen:<\/strong> Da spielen kulturelle Hintergr\u00fcnde durchaus eine Rolle und da k\u00f6nnte eine seri\u00f6se Statistik auch helfen. Professor Christian Pfeiffer hat eine repr\u00e4sentative Forschung im Erziehungsprozess von traditionell gepr\u00e4gten, t\u00fcrkischen Familien durchgef\u00fchrt. Die dabei vermittelten Werte \u00fcber M\u00e4nnlichkeit und die Rolle der Frau k\u00f6nnen sehr wohl zu einem Kulturkonflikt f\u00fchren, wenn diese Familien in Deutschland leben. Professor Pfeiffer forschte daf\u00fcr in der T\u00fcrkei, um den kulturellen Hintergrund wirklich kennen zu lernen. Dieser Aufwand ist auch n\u00f6tig, damit solche Statistiken ihre Aussagekraft rechtfertigen. Die Frage nach der Abstammung ist legitim, sofern sie differenziert gestellt wird. Aber bitte, erwarten Sie keine einfachen, plakativen Antworten!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>ZDFonline: <\/strong>Keine Sorge, wir tun das nicht. Vielen Dank f\u00fcr das Interview.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- end of artikel-container --><\/p>\n<div>von Dara Hassanzadeh<br \/>\nMit Material von  ZDF<\/div>\n<div>Link: <a href=\"http:\/\/reporter.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/18\/0,1872,8068978,00.html?dr=1\">http:\/\/reporter.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/18\/0,1872,8068978,00.html?dr=1<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview vom ZDF durchgef\u00fchrt: ZDF.reporter Graffiti-Sprayer oder Schl\u00e4ger &#8211; was ist ein Intensivt\u00e4ter? Kriminologe Prof. Dr. Sonnen im Interview Immer wieder h\u00f6rt man in Zusammenhang mit Jugendkriminalit\u00e4t den Begriff des so genannten Intensivt\u00e4ters. Doch was bedeutet er juristisch und noch wichtiger: Wie kann sich die Gesellschaft vor Intensivt\u00e4tern sch\u00fctzen? 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