{"id":147,"date":"2008-11-19T00:01:30","date_gmt":"2008-11-18T22:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maurizone.de\/?p=147"},"modified":"2008-11-19T00:02:21","modified_gmt":"2008-11-18T22:02:21","slug":"zukunft-der-jugend-liegt-auf-der-strase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maurizone.de\/?p=147","title":{"rendered":"Zukunft der Jugend liegt auf der Stra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p class=\"ArtikelAutor\">Von Franco Clemens, 17.11.08,\u00a022:17h,\u00a0aktualisiert\u00a017.11.08,\u00a022:18h<\/p>\n<h2 class=\"ArtikelTeaser\">F\u00fcr die Integration von Jugendlichen, besonders aus ethnischen Minderheiten, spielen Streetworker eine Schl\u00fcsselrolle: Im Idealfall k\u00f6nnen diese die Br\u00fccke ins gesellschaftliche Leben sein und Jugendgewalt vorbeugen. Dazu brauchen sie jedoch mehr Mittel &#8211; und auch rechtliche Sicherheit.<\/h2>\n<p><!-- Artikelbild\/Vorschau --><\/p>\n<div id=\"ArtikelImgContainer\"><!-- Artikelbild 1 (Vorschau) --><\/p>\n<div id=\"ArtikelImg_1\" class=\"ArtikelImg\">\n<div class=\"ArtikelImgTextPos\">Franco Clement ist p\u00e4dagogischer Leiter eines Jugendzentrums in Meran (S\u00fcdtirol) und langj\u00e4hriger Streetworker in K\u00f6ln-Finkenberg.<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- \/Artikelbild 1 (Vorschau) --> <!-- Artikelbild 1-3 (Zoom) --><\/p>\n<div id=\"ArtikelImgXL_1\" class=\"ArtikelImgXLContainer\">\n<div class=\"ArtikelImgXL\">\n<div class=\"ArtikelImgXLPos\"><a title=\"Bild verkleinern\" onclick=\"ImgEnlarge('1', 'off'); return false;\" href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1226655088870.shtml#\"><img decoding=\"async\" class=\"ImgBorder\" src=\"http:\/\/www.ksta.de\/ks\/images\/mdsBild\/1226771485299l.jpg\" border=\"0\" alt=\"Bild verkleinern\" \/><\/a><\/p>\n<div class=\"ImgLupe\"><a title=\"Bild verkleinern\" onclick=\"ImgEnlarge('1', 'off'); return false;\" href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1226655088870.shtml#\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ksta.de\/ks\/images\/nl\/icon_lupe-minus.gif\" border=\"0\" alt=\"Bild verkleinern\" width=\"16\" height=\"16\" \/><\/a><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"ArtikelImgXLTextPos\">Franco Clement ist p\u00e4dagogischer Leiter eines Jugendzentrums in Meran (S\u00fcdtirol) und langj\u00e4hriger Streetworker in K\u00f6ln-Finkenberg.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- \/Artikelbild 1-3 (Zoom) --> <!-- Artikelbild 1-3 (Zoom) --><\/p>\n<div id=\"ArtikelImgXL_2\" class=\"ArtikelImgXLContainer\">\n<div class=\"ArtikelImgXL\">\n<div class=\"ArtikelImgXLPos\"><a title=\"Bild verkleinern\" onclick=\"ImgEnlarge('2', 'off'); return false;\" href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1226655088870.shtml#\"><br \/>\n<\/a><\/div>\n<div class=\"ArtikelImgXLTextPos\">Unser Autor deutet Jugendgewalt als Folge einer Spannung zwischen staatlicher Repression und den Bed\u00fcrfnissen Jugendlicher. BILD: DPA<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!-- \/Artikelbild 1-3 (Zoom) --> <!-- max. 2 Thumbnails --><\/p>\n<div id=\"ArtikelThumbs\">\n<div class=\"ArtikelThumbPos\"><a title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" onclick=\"ImgEnlarge('2', 'on'); return false;\" href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1226655088870.shtml#\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ImgBorder\" src=\"http:\/\/www.ksta.de\/ks\/images\/mdsBild\/1226771485511r.jpg\" border=\"0\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" width=\"50\" height=\"50\" \/><\/a><\/div>\n<\/div>\n<p><!-- \/max. 2 Thumbnails --><\/div>\n<p><!-- \/Artikelbild\/Vorschau -->Der \u00f6ffentliche Raum hat f\u00fcr Jugendliche eine ganz besondere Bedeutung. Die heutige Jugendkultur hat aber ein gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zum \u00f6ffentlichen Raum, da er mit Verhaltensauflagen belegt ist, die mit den Interessen und Bed\u00fcrfnissen von jungen Menschen kaum vereinbar sind. Unerw\u00fcnscht oder gar verboten sind zum Beispiel laute Musik, Treffen in gro\u00dfen Gruppen, Motorengeheule, sportliche Aktivit\u00e4ten wie Skaten, erste sexuelle Ann\u00e4herungen Gleichaltriger, Graffiti. All dem steht aber kein ad\u00e4quates Angebot an kommerzfreien, attraktiven Freir\u00e4umen seitens der Kommunen gegen\u00fcber, das sich an den Interessen Jugendlicher und junger Erwachsenen orientiert. So entsteht automatisch ein Spannungsverh\u00e4ltnis zu den \u00dcberwachungsorganen wie Polizei und Ordnungsamt, das &#8211; je nach pers\u00f6nlicher Repressionserfahrung &#8211; in eine latente Wut auf den Staat oder ein Wirtschaftssystem umkippen kann, welches die Bed\u00fcrfnisse der Jugend ignoriert.<\/p>\n<p>Ethnische Minderheiten und Migrantengruppen sind hier besonders aufmerksam zu betrachten. Diese neigen durch homogene Gruppenbildung dazu, ihre kulturellen Eigenheiten &#8211; wie Sprache und religi\u00f6se Vorstellungen, aber auch politische Weltbilder &#8211; zu erhalten, was eine Integration erschwert und zum Teil unm\u00f6glich macht. Sprach- und Bildungsdefizite, Diskriminierungserfahrungen, soziale Schieflage in Verbindung mit mangelnder Unterst\u00fctzung durch staatliche Institutionen einerseits, der \u00dcberforderung in den (notwendigen) Anpassungsprozessen andererseits &#8211; all das f\u00fchrt die betroffene Minderheit und die jeweilige kulturelle Mehrheit schnell in einen Kreislauf gegenseitiger Schuldzuweisungen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Anklagen, politische Instrumentalisierung und soziale Ausgrenzung sowie staatlich verordnete Unterbringung in ethnisch homogenen Wohnsilos oder \u00dcbergangsheimen verst\u00e4rken die Neigung, an der alten Kultur festzuhalten, die man eigentlich durch die Migration schon abzulegen bereit war und der man sich nun als \u201ehier geborener Ausl\u00e4nder\u201c wieder n\u00e4hert. In manchen Migrantenkreisen f\u00fchrt dies zur Reanimierung r\u00fcckw\u00e4rtsgerichteter extremer politischer oder religi\u00f6ser Weltbilder.<\/p>\n<p>Nur wer etwas zu verlieren hat, w\u00e4gt seine Interessen ab. Deshalb sind die Teilhabe an der Konsumgesellschaft in Form ad\u00e4quat bezahlter Arbeit sowie ein fl\u00e4chendeckendes soziales Netz im Falle der Not ein unerl\u00e4ssliches Instrument zur Bewahrung des inneren Friedens. Eine Kommune, die sich f\u00fcr ihre Minderheiten und Jugendkulturen interessiert, wird in diesen Gruppen stets Ansprechpartner finden, die die Integration aus eigenem Antrieb voranbringen. Im Spannungsfeld zwischen falscher Toleranz und str\u00e4flicher Ignoranz wurde es aber bisher in vielen Kommunen vers\u00e4umt, sich den Schattengesellschaften und Jugendkulturen zu widmen. Speziell die Jugend l\u00e4sst sich dank ihrer emotionalen Ansprechbarkeit und ihrer nachvollziehbaren Bed\u00fcrfnisse \u00fcber entsprechende Angebote, Aufkl\u00e4rung und p\u00e4dagogisch geschulten Umgang gut erreichen oder wieder \u201eeinfangen\u201c.<\/p>\n<p>Die Jugendarbeit und insbesondere die Arbeit der Streetworker ist dabei der Schl\u00fcssel zum Erfolg, wenn sie nicht von politischen und wirtschaftlichen Interessengruppen mit R\u00fcckhalt in Parteien und Medien ausgebremst werden. Kompetente Streetworkerarbeit bedeutet, Zugang zu bereits bestehenden Jugendgruppen zu bekommen, Vertrauen zu entwickeln und die Klientel entweder in eine schon vorhandene Angebotsstruktur einzubinden oder ihnen individuelle Hilfen in Kooperation mit \u00f6ffentlichen Einrichtungen anzubieten.<\/p>\n<p>Fehlt es daran, reduziert sich die Streetworkarbeit formal auf die L\u00f6sung aktueller Konflikte und dient der Kommune lediglich als Informationsquelle \u00fcber aktuelle Entwicklungen in der Szene. Im Idealfall ist Streetworkarbeit aber die Br\u00fccke f\u00fcr eine Integration ihrer Klientel. Nur braucht sie daf\u00fcr eben die entsprechenden Instrumente sowie &#8211; eine \u201einformelle Ebene\u201c im Kontakt mit Polizei und Ordnungsamt, um p\u00e4dagogisch Einfluss nehmen, Verhaltens\u00e4nderungen herbeif\u00fchren oder verdeckt bei der Aufkl\u00e4rung von Straftaten helfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nicht umsonst wird vielerorts gefordert, dass Streetworker &#8211; wie Pfarrer, \u00c4rzte und Anw\u00e4lte &#8211; einer bestimmten Form der Schweigepflicht beziehungsweise das Recht auf Informationsverweigerung gegen\u00fcber der Justiz haben. Die Mitwisserschaft bei kleineren Straftaten wie etwa Drogenkonsum oder kleineren Diebst\u00e4hlen und die Kenntnis \u00fcber organisierte Strukturen mit krimineller Energie geh\u00f6ren zum Alltag der Streetworker, die im Auftrag des Staates t\u00e4glich einen schwierigen und zum Teil gef\u00e4hrlichen Grenzgang vollziehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Quelle: KSTA..18.11.2008<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><a class=\"aligncenter\" title=\"Artikel KSTA Online\" href=\"http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1226655088870.shtml\" target=\"_blank\">http:\/\/www.ksta.de\/html\/artikel\/1226655088870.shtml<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Franco Clemens, 17.11.08,\u00a022:17h,\u00a0aktualisiert\u00a017.11.08,\u00a022:18h F\u00fcr die Integration von Jugendlichen, besonders aus ethnischen Minderheiten, spielen Streetworker eine Schl\u00fcsselrolle: Im Idealfall k\u00f6nnen diese die Br\u00fccke ins gesellschaftliche Leben sein und Jugendgewalt vorbeugen. Dazu brauchen sie jedoch mehr Mittel &#8211; und auch rechtliche Sicherheit. 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