{"id":1250,"date":"2017-11-01T12:08:26","date_gmt":"2017-11-01T10:08:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maurizone.de\/?p=1250"},"modified":"2017-11-01T12:21:42","modified_gmt":"2017-11-01T10:21:42","slug":"positionspapier-des-kvokja-aus-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.maurizone.de\/?p=1250","title":{"rendered":"Positionspapier  des KVOKJA aus 2016"},"content":{"rendered":"<div><strong>Textausschnitte des KVOKJA aus der deutschen Jugend (2016). Im Fahrwasser einer Vorbereitung habe ich diese pr\u00e4zise und lesenswerte kurze Stellungnahme des KVOKJA, zu den aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen \u00a0der Offenen Kinder-und Jugendarbeit wiederentdeckt.\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<p>\n<p><div><strong>\u00a0Stellungnahme:<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">Am 4. M\u00e4rz 2016 hat sich im Rahmen eines Arbeitstreffen von Vertreter_innen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aus Hochschule und Praxis der \u201eKooperationsverbund Offene Kinder- und Jugendarbeit\u201c gegr\u00fcndet. Aus Sicht der Gr\u00fcndungsmitglieder steht die Offene Kinder- und Jugendarbeit vor gro\u00dfen fachlichen und politischen Herausforderungen, die eine bundesweite Debatte und einen fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft, Ausbildung, Praxis und Politik erfordern. Insofern sind Ziele des Kooperationsverbundes die Schaffung einer bundesweiten Plattform f\u00fcr die Auseinandersetzung, die Diskussion und Weiterentwicklung des Feldes und eine bessere Sichtbarkeit, Darstellung und Vertretung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, insbesondere auf Bundesebene.<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">(&#8230;.)<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">Der Kooperationsverbund ist offen f\u00fcr alle, die sich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit verbunden f\u00fchlen. (&#8230;&#8230;)<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">Welche Herausforderungen stellen sich? Kinder- und Jugendhilfe und mit ihr die Offene Kinder- und Jugendarbeit orientiert sich zunehmend an einem Funktionieren von Kindern und Jugendlichen in den zentralen Regelsystemen Schule und Arbeitsmarkt und folgt da-mit auch verst\u00e4rkt den Ziel- und Problemdefinitionen dieser Regelsysteme. Damit einher geht ein verst\u00e4rkter Defizitblick auf Jugendliche, wie er sich z.B. in der Rede von den sogenannten ausbildungsunreifen oder bildungsfernen Jugendlichen widerspiegelt. (Schwanenfl\u00fcgel u. Walther 2015).<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">Dies zeigt sich in unterschiedlichen Entwicklungen: Offene Kinder- und Jugendarbeit als eine Infrastruktur f\u00fcr alle Jugendlichen, wie sie im Kinder- und Jugendhilfegesetz angelegt ist, befindet sich im Prozess einer schleichenden Ausd\u00fcnnung: Zwischen 2002 und 2010 hat es einen klaren R\u00fcckgang im Bereich der personellen und finanziellen Ausstattung von Jugendarbeit gegeben, der sich 2010 konsolidiert, aber keine Trendwende eingel\u00e4utet hat (Pothmann 2012). Auch Strukturen, die Offene Kinder- und Jugendarbeit rahmen und absichern werden abgebaut: Vielerorts wird keine Jugendhilfeplanung mehr gemacht und Landesjugend\u00e4mter und deren Fachberatungen aufgel\u00f6st (Lindner 2011). Dem steht ein Personal- und Mittelzuwachs im Bereich der (schul- und ausbildungsbezogenen) Jugendsozialarbeit, der Fr\u00fchen Hilfen und Hilfen zur Erziehung gegen\u00fcber. Mit dieser Verschiebung innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe ist gleichzeitig eine inhaltliche Verschiebung verbunden, ein Abbau von offenen und ein Ausbau von schul- und arbeitsmarktbezogenen Angeboten. So soll z.B. eine immer fr\u00fcher einsetzende Berufsorientierung einschlie\u00dflich non-formaler Kompetenzfeststellungsverfahren den \u00dcbergang in Ausbildung und Beruf optimieren. Im Bereich fr\u00fchkindlicher Erziehung soll \u00fcber Sprachtests und Bildungsdokumentation m\u00f6glichst fr\u00fch und optimal auf Schule vorbereitet werden (Olk 2009). Dieser inhaltliche Umbau zeigt sich auch in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit: Mittagspausenbetreuung, Hausaufgabenhilfe und Bewerbungsunterst\u00fctzung scheinen sich zu einem zentralen, zeit- und personalintensiven Standardangebot zu entwickeln und immer gr\u00f6\u00dferen Raum einzunehmen. Im Kontext der Ganztagsschulentwicklung werden Angebote der Kinder- und Jugendarbeit zunehmend auch an die Schule verlagert. Die Gefahr im Kontext von Schule mehr und mehr zu einem Ort zu werden, der vor allen Dingen Schule entlasten, \u201aSchulf\u00e4higkeit\u2018 herstellen oder auch einfach nur den Schulbetrieb sichern soll, ist durchaus gegeben (vgl. Zipperle 2015). Offene Kinder- und Jugendarbeit erh\u00e4lt also mehr und mehr eine sozialpolitische Feuerwehrfunktion zur\u00fcck, die sie in den 70er bis 90er Jah-ren erfolgreich zur\u00fcckgewiesen hat.<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">Gerahmt wird dies durch einen Fachdiskurs, welcher mit Begrifflichkeiten wie non-formaler im Unterschied zu formaler Bildung einen ganzheitlichen, lebensweltlichen Bildungsanspruch in Abgrenzung zu Schule zu formulieren sucht (BMFSFJ 2005), der damit gleichzeitig auf Schule bezogen bleibt. Das vorrangige Ziel einer Kinder- und Jugendhilfe, \u201aandere\u2018 lebenslaufrelevante Kompetenzen zu vermitteln und \u00fcber andere, alternative Bildungszug\u00e4nge die Leistungsf\u00e4higkeit und Motivation so genannten benachteiligter Ju-gendlicher zu steigern, bleibt vorrangig dem Ziel einer Unterst\u00fctzung und Erg\u00e4nzung schu-lischer und arbeitsmarktorientierter Bildung verhaftet (Schwanenfl\u00fcgel u. Walther 2015).<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">Die hier skizzierte Entwicklung hat zum einen etwas mit einer zunehmenden neoliberalen Indienstnahme von Kinder- und Jugendhilfe insgesamt zu tun, in der (auch) \u201eJugendarbeit als Instrument der Sozialpolitik, der Sicherheitspolitik und einer auf Humankapitaloptimierung ausgerichteten Bildungspolitik beansprucht wird\u201c (ebd., S. 370). Sie hat auch etwas mit mangelnder Sichtbarkeit und Anerkennung der Leistungen von Jugendarbeit auf politischer Ebene zu tun. Sowohl bei bundesweiten Veranstaltungen als auch in den zentralen Bundesgremien ist sie bislang nicht entsprechend ihrer Bedeutung und Gr\u00f6\u00dfe oder nur indirekt vertreten. Deutlich ist aber auch: vor allem die inhaltlichen Ver\u00e4nderungen \u201egesch[ehen] nicht nur ohne einflussreiche Gegenwehr der Fachkr\u00e4fte, sondern auch unter ihrer Mitwirkung\u201c (ebd.). Beispielsweise dort, wo Kinder- und Jugendarbeit auf die Frage nach ihren Bildungspotentialen Angebote auff\u00fchrt, in denen lebenslaufrelevante Kompetenzen erworben werden, die Jugendliche in den Wettbewerb um Ausbildungspl\u00e4tze einbringen k\u00f6nnen. Oder dort, wo immer mehr Jugendliche nach Unterst\u00fctzung bei Haus-aufgaben, Referaten und Bewerbungen im Betrieb OKJA fragen, um mit den Anforderun-gen am Lebensort Schule zurechtzukommen und diese zu einem festen Bestandteil wird, den sich Einrichtungen als Beitrag ihrer Arbeit auf die Fahnen schreiben, der dann aber auch von den Kommunen eingefordert wird.<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">Die Frage, die sich stellt ist, ob das die Richtung ist, die Kinder- und Jugendarbeit einschlagen will? Und ob der fachliche Anspruch eines Sozialisationsortes f\u00fcr alle Kinder- und Jugendlichen, als Raum f\u00fcr soziales Lernen und Experimentieren, in dem die Erfahrungen, Bed\u00fcrfnisse und Interessen von Jugendlichen leitend sind, angesichts gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen, obsolet geworden ist? Als ein Raum, welcher von Freiwilligkeit und Offenheit, Fehlerfreundlichkeit und der Anerkennung von Eigensinn gepr\u00e4gt ist, der durch-aus \u201ein Kritik und Distanz zu einer politischen Aufgabenzuweisung steht, die Jugendliche als potentielle St\u00f6rer der sozialen Ordnung in der Blick nimmt, auf die mit sozialer Kon-trolle und Erziehung zur Anpassung reagiert werden soll\u201c (Scherr u. Sturzenhecker 2014, S. 369). Ist der Anspruch Jugendliche vor allem bei der \u201eKultivierung ihre Eigensinns, bei der Realisierung und Entwicklung von Entw\u00fcrfe eines guten eigenen Lebens und von Vorstellungen f\u00fcr eine erstrebenswerte Gesellschaft\u201c (ebd., S. 370) zu unterst\u00fctzen und zu begleiten und in diesem Sinne als Lernort der Demokratie (Schwerthelm u. Sturzenhecker 2015) zu verstehen nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df? Und falls doch: wie kann er politisch und fachlich verteidigt werden?<\/div>\n<div style=\"text-align: left;\"><\/div>\n<div style=\"text-align: left;\">Die Verst\u00e4ndigung dar\u00fcber, was der bestm\u00f6gliche Beitrag ist, den Offene Kinder- und Jugendarbeit zu einem gesunden und gl\u00fccklichen Aufwachsen junger Menschen in einer sich wandelnden, demokratischen Gesellschaft beitragen kann ist \u00fcberf\u00e4llig. Der Kooperationsverbund k\u00f6nnte ein solcher Ort daf\u00fcr sein.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<p>\n<div><strong>Hier der Link auf den Originaltext :\u00a0<a href=\"http:\/\/kvokja.chayns.net\/tapp\/index\/91958?M=46724377\">http:\/\/kvokja.chayns.net\/tapp\/index\/91958?M=46724377<\/a><\/strong><\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<p>\n<div><strong>Hier der Link auf die aktuellen Themen und Informationen des KVOKJA: <a href=\"http:\/\/kvokja.chayns.net\/tapp\/index\/91958\">http:\/\/kvokja.chayns.net\/tapp\/index\/91958<\/a><\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<p>\n<p><div>Inhaltlich decken sich diese fachlichen Aussagen, mit der Gr\u00fcndungsmotivation unseres K\u00f6lner Stammtisch f\u00fcr Jugendarbeit. Link:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.maurizone.de\/?p=1137\">http:\/\/www.maurizone.de\/?p=1137<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Textausschnitte des KVOKJA aus der deutschen Jugend (2016). 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