Fresh

Kölner Stammtisch für Jugendarbeit

8. Juni 2015

Liebe Kolleg*innen, Studierende, Ehemalige,

die Gründung des Kölner Stammtisch für Jugendarbeit am 21.05.2015 resultiert aus dem  Interesse einen Dialog zwischen Forschung und Praxis zu eröffnen. Diese Initiative richtet sich an Studierende und Kolleg*innen aus Wissenschaft und Praxis der Jugendarbeit und Jugendförderung, die sich einem Jugendarbeitsverständnis auf der Grundlage des § 11 des SGB VIII / KJHG verpflichtet fühlen und an einem fachlichem Austausch sowie gemeinsamer Lektüre interessiert sind.

Bei unserem letzten Treffen hatten wir über die schwierige finanzielle Situation der Jugendarbeit gesprochen (insbesondere verstärkte Projektförderung bei reduzierter Strukturförderung) und deren Auswirkung auf die Ausgestaltung der Praxis diskutiert. Wir entwickelten die These, dass die  aktuelle Situation der Jugendarbeit sich auch als fortschreitende Formalisierung des Nonformalen verstehen lässt.

Wir möchten dazu einladen die aktuellen Prozesse in der Jugendarbeit gemeinsam mit einer kritischen Analyse der Rahmenbedingungen und vorherrschenden Einflüsse zu begleiten. Für unser kommendes Treffen würden wir gerne nach den unterschiedlichen Akteuren der Jugendarbeit und Jugendförderung und nach den konkreten Einflussfaktoren auf die Jugendarbeit im Kölner Raum schauen.

Als Diskussionsgrundlage und Einstieg ins Thema kann der Text „Jugendarbeit verkehrt“ von Albert Scherr und Benedikt Sturzenhecker dienen.

Das  2. Treffen  findet am 09.07.2015 um 18:30 Uhr statt. Wir treffen uns im 2. Stock des Gebäudes Ubierring 48a in 50678 Köln. Die Räume des Forschungsschwerpunktes Nonformale Bildung befinden sich im 1. Stock.

 

Für den Kölner Stammtisch für Jugendarbeit

 

Yasmine Chehata (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung)

Maurice Kusber (Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln)

Stefan Schäfer (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung und Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln)

Andreas Thimmel (Professor an der FH Köln und Leiter des Forschungsschwerpunktes Nonformale Bildung)

Nils Wenzler (Lehrbeauftragter an der FH Köln und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH Düsseldorf)

 

Einladung „Kölner Stammtisch Jugendarbeit“

7. Mai 2015

Kölner Stammtisch Jugendarbeit

Liebe Kolleg*innen, Studierende, Ehemalige,

hiermit laden wir Sie/Euch herzlich zum 1. Treffen des Kölner Stammtischs Jugendarbeit am 21.05.2015 um 18:30 Uhr ein. Das Treffen findet im 2. Stock des Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung statt. Der Standort des Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung befindet sich am Ubierring 48a in 50678 Köln.

Der Kölner Stammtisch Jugendarbeit richtet sich an Studierende und Kolleg*innen aus Wissenschaft und Praxis der Jugendarbeit, die sich dem §11 verpflichtet fühlen und an fachlichem Austausch sowie gemeinsamer Lektüre interessiert sind.

Der Kölner Stammtisch Jugendarbeit verfolgt das Ziel, einen Dialog zwischen Forschung und Praxis zu eröffnen, um die Jugendarbeit in emanzipatorischer Absicht weiter zu entwickeln und Möglichkeiten einer gemeinsamen jugendpolitischen Strategie aufzuzeigen.

Die Gründung des Kölner Stammtisch Jugendarbeit erscheint uns aus folgenden Gründen notwendig:

  • Weiterentwicklung von Praxis auf Basis wissenschaftlichen Wissens
  • Zunehmende und ordnungspolitische Auftragsbestimmung durch Politik und Verwaltung
  • Indienstnahme der Jugendarbeit zur Unterstützung des formalen Bildungssystems
  • Ökonomisierung der Jugendarbeit im Rahmen einer aktivierenden Sozial- und Bildungspolitik

 

Wir freuen uns auf alle, die an der Gründung des Kölner Stammtisch Jugendarbeit teilhaben wollen.

Yasmine Chehata (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung und Promovierende im Promotionskolleg TransSoz – Leben im transformierten Sozialstaat)

Maurice Kusber (Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln)

Stefan Schäfer (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung und Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln)

Andreas Thimmel (Professor an der FH und Leiter des Forschungsschwerpunktes Nonformale Bildung)

Nils Wenzler (Lehrbeauftragter im Bereich Jugend an der FH Köln und Promovierender im Promotionskolleg TransSoz – Leben im transformierten Sozialstaat)

Vorüberlegungen zur Notwendigkeit des Kölner Stammtisch Jugendarbeit

16. April 2015


Autor: Maurice Kusber, 04/2015 

Kölner Stammtisch Jugendarbeit

 

Zur Notwendigkeit eines Kölner Stammtisch Jugendarbeit

 

Die Antwort auf die Frage: „Was ist Jugendarbeit?“, konnte seit deren Aufkommen in den 1960er- Jahren durch Vertreter der Erziehungswissenschaften für die Profession und die Disziplin der Sozialen Arbeit zielführend herausgearbeitet werden. Theorien einer bedürfnisorientierten, emanzipatorischen und subjektorientierten Jugendarbeit fanden praktische und konzeptionelle Umsetzungen, die sich an den Bedürfnissen, Interessen und Erfahrungen Jugendlicher orientieren. Die konzeptionelle Ebene (Cliquen-, Sozialraum- und Lebensweltorientierung) stärken das Profil und die Konturen von Jugendarbeit. Dieses fachliche Profil ermöglichte seinen Vertretern die Standpunkte einer emanzipatorischen und subjektorientierten Jugendarbeit, in den Auseinandersetzungen mit den immer wiederkehrenden Strömungen einer sozialen Kontrolle und Erziehung zur Anpassung zu vertreten (vgl. Scherr/ Sturzenhecker, S. 369). Kinder- und Jugendarbeit[1] fungiert seitdem als eigenständiges sozialpädagogisches Handlungsfeld und umfasst „ alle außerschulischen und nicht ausschließlich berufsbildenden, vornehmlich pädagogisch gerahmten und organisierten, öffentlichen, nicht kommerziellen bildungs-, erlebnis- und erfahrungsbezogenen Sozialisationsfelder von freien und öffentlichen  Trägern, Initiativen oder Arbeitsgemeinschaften“ (Thole 2000, S. 23). Der Bezug zu den individuellen Bedürfnissen, das widerständige Potential von Jugendkulturen, sowie die Bezugnahme von Jugendlichen als soziale Wesen im Rahmen sozialer Beziehungen und gesellschaftlicher Werte, sind elementare Grundpfeiler der Jugendarbeit.  Die rechtliche Grundlage der Jugendarbeit bildet das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG-Sozialgesetzbuch VIII) und definiert die Aufgaben insbesondere in §11. Als Schwerpunkte der Jugendarbeit können nach § 11 die außerschulische Jugendbildung, internationale Jugendarbeit, die arbeitswelt-, schul- und familienbezogene Jugendarbeit, Kinder- und Jugenderholung, Jugendberatung, sowie die Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit benannt werden. Zu den Zielen der Jugendarbeit zählen unteranderem die „Unterstützung Jugendlicher bei der Kultivierung ihres Eigensinns, bei der Entwicklung und Realisierung von Entwürfen eines guten eigenen Lebens und von Vorstellungen über eine anstrebenswerte Gesellschaft“ (Scherr/ Sturzenhecker 2014, S. 369).

 

Die Konturen dieses gegebenen Verhältnisses (Subjekt- und Demokratiebildung in der Jugendarbeit gerahmt im Spannungsfeld einer politischen Einverleibung der Institutionen der Jugendarbeit), erfahren momentan eine unangenehme Aktualität.  Jugendarbeit wird durch Sozialpolitik, Sicherheitspolitik und Bildungspolitik vermehrt als ein Instrument der Befriedung von delinquentem Verhalten, sowie der Unterstützung von formaler Bildung beansprucht. Der Fokus liegt dabei auf der Reproduzierbarkeit der nachwachsenden Generationen im Fahrwasser von (inter)-national stattfindenden, neoliberalen Humankapitaldiskursen.

Im Folgenden soll es darum gehen sich zutragende Strömungen zu hinterfragen und weiterhin Möglichkeiten einer an der Lebenswelt orientierten Jugendarbeit aufzuzeigen. Zur Diskussion stehen die gesellschaftlichen,  strukturellen und ökonomischen Bedingungen des Aufwachsens Jugendlicher. Wo liegen zukünftig die Chancen einer Jugendarbeit als Ort der Reflexion dieser Verhältnisse unter der Bezugnahme des Eigensinns von Jugendlichen? Eine an der Lebenswelt der Jugendlichen sich orientierende Jugendarbeit, benötigt weiterhin gut funktionierende Bedingungen subjektive Handlungsfähigkeit erwachsen zu lassen. Selbstbewusstsein, Selbstbestimmungsfähigkeit und Bildung sind die Basis einer ganzheitlichen Subjektbildung.

Letztendlich stellt sich auch für die Zukunft der Jugendarbeit die Frage, welche außerschulischen und sozialpädagogischen Möglichkeiten Jugendlichen weiterhin gegeben werden können und in welcher Gesellschaft wir eigentlich leben wollen.

Literatur:

Thole, Werner (2000): Kinder- und Jugendarbeit. Eine Einführung. Weinheim und München: Juventa

Scherr, Albert/ Sturzenhecker, Benedikt (2014): Jugendarbeit verkehrt. Thesen gegen die Abwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit durch ihre Fachkräfte. In: deutsche Jugend. 62.Jg. 2014, Heft 9, S. 369- 376.


[1] Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung wird im Laufenden Text  der Begriff „Jugendarbeit“ benutzt, er schließt aber auch die Arbeit mit Kinder ein und ist daher im Sinne einer zusammengehörigen „Kinder- und Jugendarbeit“ zu verstehen.

Graffiti Magazine #19 vs. Masterthesis Hard to Buff Diskursanalyse der Ausgaben des „Graffiti Magazine“ in Hinblick auf die Darstellung kultureller Identität von Graffiti Writern

28. Dezember 2014

Nach langer Zeit geht das Graffiti Magazine in die nächste Ausgabe: Das GRAFFITI MAGAZINE mit der Ausgabe 19 / Winter 2014. 64 Seiten. Zum Inhalt: FYA, Dortmund Oldschool, KJ263, ein Freight Spezial, SCREW, Sergei Kravinoff und einiges mehr.

Diesen Anlass greife ich gerne auf und stelle bei Interesse, meine Masterthesis auf Anfrage zu wissenschaftlichen Zwecken bereit. Das Graffiti Magazine war/ist der Forschungsgegenstand meiner Masterthesis mit dem Titel „Hard to Buff. Diskursanalyse der Ausgaben des „Graffiti Magazine“ in Hinblick auf die Darstellung kultureller Identität von Graffiti Writern“ gewesen.

Hier eine Preview der Arbeit:

Bereits in der frühen Kulturgeschichte der Menschheit entwickelte sich die kulturelle Praxis des Anbringens von Inschriften in Form von Höhlenzeichnungen. Über die Jahrhunderte hinweg zeigte sich diese Ausdrucksform, analog zum (technologischen) Fortschritt, in Form von Schmähinschriften z. B. auf den Häuserwänden Pompeis und entwickelte sich hin zu modernen Varianten in Form der Bemalung bzw. Beschriftung von Mauern, Wänden,Zügen und anderen Flächen beispielsweise mit Marker-Stiften oder Sprühdosen. Die beschriebenen Formen subkultureller Inschriften werden heute unter dem Begriff Graffiti zusammengefasst (vgl. Kreuzer 1986, S. 128). Die Darstellungen sind dabei als vielfältige Botschaft zu verstehen: Neben der bloßen Bekundung der Existenz des Urhebers, bestehen darüber hinaus direkte und indirekte Botschaften an einzelne Personen oder Personengruppen bis hin zu Botschaften an die Gesellschaft (vgl. Schütz 1993). Diese kommunikativenBotschaften lassen sich als soziale Interaktion abstrahieren. Die Voraussetzung für soziale Interaktion, als wechselseitiger Prozess zwischen (sozialer) Umwelt und Individuum, aber gleichermaßen auch das Produkt dieser, wird mit dem Begriff der Identität beschrieben (vgl. Simon & Trötschel 2007). Identität wird dabei einerseits als das Wissen über individuelle Eigenschaften und Eigenheiten (individuelle Identität) und im Zusammenhang mit der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen (soziale Identität) beschreiben (vgl. Bierhoff 2011). Die Identität ist insofern unter anderem als bedeutsames Konzept bei der Erstellung von Graffiti zu verstehen (vgl. Macdonald 2001). Neben den beiden genanntenIdentitätskonstrukten der individuellen und sozialen Identität, die das Individuum als Träger der Identität beschreiben, bezeichnet die kulturelle Identität die kollektive Identität einer Gruppe, eines Milieus oder einer (Sub)kultur. Kulturelle Identitäten „reflektieren (…) die gemeinsamen historischen Erfahrungen und die gemeinsam genutzten kulturellen Codes (…) die uns (…) unabhängig von den sich verändernden Spaltungen und Wechselfällen (…) einen stabilen, gleichbleibenden und dauerhaften Referenz- und Bedeutungsrahmen zur Verfügung stellen“ (Hall 1994, S. 27). Kulturelle Identitäten lassen sich also zwar als Orientierungsrahmen beschreiben, unterliegen aber aufgrund der vielfältigen Einflussfaktoren im Sinne der Subjekte, einem permanenten Wandel durch kollektiven Diskurs. In Bezug auf die Graffiti Szene lässt sich die kulturelle Identität von Graffiti Writern als eingebettet in den historischen Entstehungskontext und die weitere Entwicklung der Graffiti Kultur sehen. Die verbreitetste Form des modernen Graffiti ist das American bzw. New York Style Graffiti (Reinecke 2012, S. 29) das in den frühen Siebziger Jahren in New York seinen Ursprung hatte. Dort entstand in dieser Periode die Graffiti Kultur, die sich in ihrer Auslebung verschiedener Formen, Stile und Regeln in Bezug auf die Art der Anbringung, der Größe, der verwendeten Materialien und weiterem bedient (vgl. Castleman 1997, S. 20-51). Darunter fallen kurze Namenssignaturen, die mit Sprühdose oder Markern angebracht werden, sowie großflächige Buchstaben und Bildkompositionen die mit Sprühdosen aufgetragen werden. Diese Namenssignaturen nennen sich in der Szenedefinition „Tags“ und werden ungefragt und illegal angebracht. Laut Castleman (vgl.1997, S. 19-20) geht es Writern dieses Stils um „Getting up“ und „Fame“, das heißt um die Szeneinterne Anerkennung der eigenen Leistung und dem Ansteigen des Ansehens innerhalb der Szene. Diese Ziele werden in der aktuellen Literatur als die immer noch vorherrschenden Elemente dieser Kultur beschrieben (vgl. Reinecke 2012, S. 31). In Bezug auf die vorliegende Arbeit liegt hier ein elementarer Aspekt insofern, als das Erlangen von Popularität und Respekt durch die Entwicklung und Präsentation eines besonderen Stiles für die kulturelle Identität des Kollektivs (der Writer) bedeutet, dass einzelne Writer die Identität zu einem größeren Teil mitgestalten als andere. Voraussetzung dafür ist allerdings eine möglichst szenenweite Repräsentation bzw. Verbreitung des Stiles durch Bildmaterial. Die Ausgestaltung der kulturellen Identität einer Szene, die durch Typografien (Meier 2007) repräsentiert wird, durch Subjekte dieser, ist insbesondere von dem Grad der Verbreitung einzelner Typografien abhängig. Vor allem dann, wenn es sich um eine international und im Falle der Graffiti Szene zudem noch eher untergründig agierende Szene handelt. Dazu kommt die Besonderheit der Bewertungskriterien für gute Stiles bzw. die Grundlage für das Erlangen von Fame: ein eigener, möglichst einzigartiger Style, exklusive Plätze (z. B. Häuserdächer, Züge etc.) und der Grad der Illegalität (desto mehr,desto besser). Die Verbreitung und folglich Bewertung entsprechender Pieces kann aufgrund der Ortsgebundenheit der Pieces (mit Ausnahme der Züge [s. Kapitel 2.2]) nur medial stattfinden. Gleiches gilt für eine wissenschaftliche Analyse.

Im Rahmen der vorliegendenArbeit wird dieser Gedankengang aufgegriffen. Das Forschungsinteresse liegt in der kulturellen Identität bzw. der Darstellung dieser. Als Medium bieten sich Graffiti-Magazine an, da sie selbst historisch gewachsen – zumindest vor der weltweiten Verbreitung des Internets – das Hauptverbreitungsmedium für Styles und Pieces waren. Der Grund dafür, trotz der mittlerweile großen Verbreitung von Pieces über das Internet ist, dass die Magazine eine bestimmte, konstante, weniger beliebige Selektion und somit auch greifbaren, geschlossenen Diskurs darstellen. Darüber Hinaus stellt die Darstellung der gesprühten Signatur in diesen Medien für die Writer oftmals die einzige Möglichkeit dar ihre Graffiti Bilder zu präsentieren, da die Entfernung der Bilder auf Wänden und insbesondere auf Zügen ausgehend von den ersten Antigraffiti- und Reinigungsmaßnahmen der Achtziger Jahre in New York, auch in Deutschland, vor allem im Fall von Unternehmen oder Institutionen, zeitnah durch die Eigentümer erfolgt. Der Hintergrund dieser Null Toleranz Politik entspringt vermutlich pädagogischen Überlegungen in Bezug auf die mögliche positive Verstärkung der Writer, im lerntheoretischen Sinne (vgl. Hartung 2010), im Falle der öffentlichen Präsentation ihrer Pieces. Gerade aufgrund dieser sich zunehmend verschärfenden Ordnungspolitik (vgl. Wehrheim 2002), gewannen Graffiti Magazine vor der massenhaften Verbreitung des Internets zunehmend an Bedeutung und repräsentieren inhaltlich einen szeneinternen Diskurs und transportieren in diesem Sinne auch kulturelle Identität.

Der Fokus dieser Arbeit richtet sich daher auf die qualitative Analyse von Darstellungen, Texten und Graffiti Bildern innerhalb eines im Lokalraum Rhein-Ruhr vertriebenen Szenemagazines mit dem Namen „Graffiti Magazine“. Die Darstellungen innerhalb der achtzehn Ausgaben des „Graffiti Magazine4“ befassen sich vordergründig textlich und visuell mit dem Eingangs erwähnten American bzw. New York Style Graffiti .Die Ausgaben sind im Zeitraum vom Winter 2005 bis Juli 2012 erschienen. In den Magazinen werden Graffiti Bilder, Berichte und Reportagen zum Thema Graffiti, Berichte über einzelne Graffiti Writer und Graffiti Crews5, sowie Texte in essayistischer Form dargestellt. Gast-Autoren und Redakteure sowie Szeneaktivisten schreiben Artikel und verfassen Berichte innerhalb der Ausgaben. Die Darstellungen in den Magazinen sind als Medien für Zuschreibungsprozesse im Bereich der kulturellen Identität von Writern zu verstehen. Die Authentizität des Dargestellten ist hoch, die Informationen sind von der Szene für die Szene, sie stellen soziales Handeln dar. Die Gruppe der Writer wird in diesem Zusammenhang mit Fremdzuschreibungen und Legenden über die eigene Historie konfrontiert. In den Magazinen wird eine soziale Wirklichkeit konstruiert, die von den Rezipienten interpretiert wird; die Erfahrungen von Erlebtem und von Zuschreibungen wirken sich so auf die „gegenwärtige soziale Wirklichkeit und ihre alltäglichen Handlungspraxen und ihre Selbstpräsentationen aus“ (Keller 2013, S. 262).

Zusammengefasst entsteht die Bedeutung von Graffiti für die Writer durch die Zuschreibungen, die Graffiti Szeneintern und Szeneextern erhält. Die Magazine ermöglichen so eine Analyse der Darstellung der kulturellen Identität von Writern über einen geschlossenen Zeitrahmen. Der so gegebene Zugang zum Feld ermöglicht die „Welt“ des Graffiti aus Sicht der Handelnden zu erfassen und die Diskurse zu verstehen, die möglicherweise einen Einfluss auf die Entwicklung und Darstellung der kulturellen Identität von Writern haben.

Der gewählte Forschungsgegenstand in Gestalt von Graffiti Magazinen ermöglicht durch die wissenssoziologische Diskursanalyse eine genaue Betrachtung. In der vorliegenden Arbeit wird versucht im Rahmen sozialwissenschaftlicher Forschung menschliches Verhalten in natürlichen Situationen zu verstehen und zu erklären. Das neu gewonnene theoretische Wissen soll die Ursachen des Wandels menschlichen Handelns anhand valider Daten nachvollziehbar erklären. Die bisherigen Zugänge Sozialer Arbeit zu dieser Zielgruppe resultieren primär aus den Erfahrungen szenespezifischer Jugendkulturarbeit (Kusber / Renken / Müller 2013, S. 309-320). Für die Relevanz Sozialer Arbeit als praxisnahe Wissenschaft der selbigen, stellt die vorliegende Arbeit neben den bereits publizierten empirischen Untersuchungenz. B. zu Raumkonzepten von Writern (Schneider 2012), einen weiteren fundierten Zugang zu dieser Zielgruppe dar. Für die Praxis Sozialer Arbeit bedeuten diese Erkenntnisse einen theoretischen Zugang zur Lebenswelt von Jugendlichen um Wandlungsprozesse nachzuvollziehen und um methodisch auf die Veränderung der selbigen im Sinne einer professionellen Hilfe zur Lebensbewältigung (Böhnisch 2012) reagieren zu können. Soziale Arbeit kann so auf Probleme reagieren, die Jugendliche: „… bei der Entfaltung von Individualität und Identität und der sozialen Integration in die verschiedenen Bereich der Gesellschaft haben“ (vgl. Hurrelmann 2012). Szenemagazinen spiegeln unter anderem die Wahrnehmung illegaler Graffiti wider. Diese sind rückgebunden an die sie rahmenden sozialen, historischen, technischen, kulturellen, medialen und vor allem auch urbanen Kontexte, die sie hervorbringen, sowie die Lebensweisen, Einstellungen und Motivation der Szenegänger des American Graffiti (vgl. Schierz im Erscheinen, S. 7). Dies tellt die Begründung für den gewählten Forschungszugang über Bilder, Texte und Interviews in Graffiti Magazinen dar. Die qualitative Sozialforschung zielt darauf ab alltägliches Handeln in seiner Komplexität zu verstehen und Entwicklungs- und Entstehungsprozesse vor dem Hintergrund der „historischen Entfaltung, Stabilisierung und Veränderung von Diskursen und deren Machteffekten“(Keller 2013, S. 44) zu rekonstruieren. American Graffiti, dargestellt in Szene Magazinen funktioniert in diesem Fall als ein Prozess der Identitätsbildung (vgl. Schnoor 2007, S. 211) und gleichzeitig als Distinktionsrahmen (vgl. Diaz-Bone 2011). Der thematische Gegenstand der Magazine hat eine tiefe Bedeutung und sinnstiftenden Gehalt für den Lebensstil. Die Einbindung der Magazine in die Lebensführung steht für eine diskursiv gewinnbringende Einbindung des Mediums in die Lebensführung (vgl. Diaz-Bone 2011, S. 201). Die Entscheidung das Thema Graffiti als diskursives Feld im Rahmen des Forschungsvorhabens zu definieren, ermöglicht im Verlaufe der Arbeit die Entstehung und Analyse zu Aussagen der kulturellen Identität und der in diesem Feld herrschenden Diskurse herzustellen. Zur systematischen Analyse wird im Rahmen dieser Arbeit die Methode der Grounded Theory angewandt. Sie ist ein wissenschaftstheoretisch in der Hermeneutik begründeter Forschungsstil und umfasst mehrere Einzeltechniken mit deren Hilfe schrittweise in Daten begründete Theorien entwickelt werden können. Die theoretische Grundlage der Grounded Theory ist der Symbolische Interaktionismus (Mead 1968). Diese Herkunft findet ihren Niederschlag in der grundlegenden Annahme, dass im Mittelpunkt der Sozialforschung menschliches Handeln und menschliche Interaktionen stehen und dass Handeln und Interaktion nicht durch physikalische Umweltreize, sondern durch symbolvermittelte Interpretationen bestimmt werden. Auf der Grundlage empirischer Daten, meist qualitativer Daten geht es darum aus dem vorgegebenen Datenkorpus strategisch eine Theorie zu entdecken. Die methodologischen Überlegungen anhand des Gegenstandes – den Magazinen – schließen die Vorüberlegungen.

Zur genauen Nachzeichnung der hier dargestellten theoretischen Skizze, wird im Folgenden zunächst die Entstehungsgeschichte des American Graffiti gezeigt, um den kulturellen Ursprung und die schon früh einsetzende Interaktion von Graffiti Szene und Ordnungspolitik und deren tiefgreifende Folgen für die kulturelle Identität zu nachvollziehen zu können. Eine differenzierte Betrachtung der Geschichte der Graffiti Szene vor dem Hintergrund identitätstheoretischer Überlegungen wird nachfolgend durch die theoretischenDarstellungen  ermöglicht.

„HipHop Family Tree“. Comic Buch und HipHop Geschichte – ein etwas anderer Zugang zur HipHop Kultur

28. Dezember 2014

 

Hier der Hinweis auf einen wunderbaren Zugang  zur Entstehung der HipHop Kultur in Form eines Comic Buches. „HipHop Family Tree“ von Ed Piskor. Erhältlich auch in Deutsch im Metrolit Verlag, ich empfehle jedoch die Originalausgabe. Link: http://www.metrolit.de/programm/graphic-novel/hip-hop-family-tree

 

 

 

 

Passend dazu die folgenden drei Videos mit Falk Schacht und Niko von Backspin TV. HipHop Kunde am Beispiel von „HipHop Family Tree“ und zwar mit der deutschen Übersetzung. Nicht nur für HipHop Nerds ein Muss….Rap wurde nicht durch SIDO und Co erfunden.

Hip-Hop Geschichtsstunde mit Falk und Niko – Wie hat Hip-Hop angefangen? (Part 1/3)

Stromausfall in New York – Lichtblick für Hip-Hop (Part 2/3)

 

 

Die HipHop Geschichte und der Weihnachtsmann (Part 3/3)

Fresher Stuff

19. November 2014

Nach längerer Abwesenheit komme ich endlich wieder einmal dazu, etwas auf diesem Blog zu posten. In der Rubrik „Texte“ habe  ich Ausarbeitungen von mir eingestellt. Die beiden Texte untersuchen einmal die Graffiti Szene als Ort der informellen Bildung, sowie stellen sie einen Versuch dar, die praxeologische Theorie von Pierre Bourdieu auf die Kultur des Graffiti Writing zu übertragen. Enjoy!

Radio Podcast: Graffiti -Kings on a Mission

22. August 2014

Speziell, aber hörenswert! Jahrzehnte später kommen die Writer der ersten Stunde  noch einmal zu Gehör! Teilweise sind sie noch immer aktiv ! Jugendkultur …

In 1974, one of America’s most celebrated cultural figures declared graffiti as „the great art of the 70s“.

Back then, thousands of teenagers were vandalising New York, in particular the subway system. Yet Norman Mailer described their „passion“, their „cool“, their „masterpieces in letters six feet high“.

Who were the teens behind the „tags“ – now the veterans of the scene? Why did they create this movement? Were they even thinking about art, politics, protest – or simply writing their names on trains?……………

Link:

http://www.bbc.co.uk/programmes/b04cfhm3

Copyrigth: BBC Radio

 

Soziale Arbeit und Jugendkultur

20. Juli 2014

So lautet der Titel des Seminars, das ich ab dem kommenden Wintersemester an der FH Köln im Studiengang Bachelor/Soziale Arbeit anbieten werde. Here we go !!! .

Screenshot: Quelle: Google Bildersuche.

Street Art Cologne..Buchveröffentlichung..

17. Mai 2014

Hier eine Empfehlung…

Street Art Cologne

Street Art Cologne

Das erste Buch über Street Art in Köln – Dokumentation, Stadtführer und Nachschlagewerk

Street Art prägt die Ästhetik von Metropolen auf der ganzen Welt. Was einst als Underground-Bewegung begann, hat sich längst als eigenständige Kunstform etabliert, der international eine immer größere Bedeutung zukommt.
Der Begriff Street Art umfasst eine Vielzahl künstlerischer Ausdrucksformen, deren gemeinsamer Nenner der öffentliche Raum ist. Mit unterschiedlichen Aktionen, Stilen und Techniken wollen die Akteure Zeichen setzen, zum Nachdenken anregen, kritisieren oder unterhalten.
STREET ART COLOGNE führt zu Schauplätzen in Köln, an denen lokale und internationale Künstler ihre Spuren hinterlassen haben. Die kreativen Eingriffe in das Stadtbild offenbaren Schönheit, Witz und Provokation dieser jungen Kunstbewegung.
Von der großflächig bemalten Wand im Rahmen des CityLeaks Festivals bis hin zu kleinen Stickern zeigt das Buch ein breites Spektrum von Kölner Street Art-Werken und lädt dazu ein, die eigene Stadt neu zu entdecken.
Zahlreiche Fotos, Hintergrundinformationen und Geschichten bieten spannende Einblicke in die lokale und internationale Street Art-Szene.

 

Ich erinnere mich gar nicht, so etwas gesagt bzw. geschrieben zu haben. Wo ist der Rest des Artikels?

 

 

Nur gut aussehen und zuhören reicht nicht……

30. April 2014

Hier der Hinweis auf zwei Veranstaltungen die ich in den nächsten Tagen besuchen werde. Am Samstag, den 03.05. 14 findet in Düsseldorf die Veranstaltung: “ Wende in der Stadtpolitik- Wände für Street Art“ in den Räumlichkeiten des Boui Boui Bilk statt.  Die Veranstalter haben Vertreter der lokalen Politik dazu eingeladen. Hier der Link auf die Facebook Veranstaltung und der dazugehörigen Flyer.

Am 10. Mai 2014 organisiert die Graffiti Lobby Berlin zusammen mit der Friedrich-Ebert-Stiftung den Graffiti Kongress 2014. Anmeldeschluss ist der 05.05.2014. Hier ein Teaser und der dazugehörige Link:

Berlin ist eine Stadt mit vielen Graffitis. Der Begriff “Graffiti” wird je nach Standpunkt mit vielen unterschiedlichen Dingen assoziiert: Schmutz, Kunst, Sachbeschädigung, Jugendkultur, Vandalismus oder Kommunikationsmittel. Welche unterschiedlichen Ansätze gibt es in den Städten, sich mit dem Thema Graffiti auseinanderzusetzen? Inwiefern tragen Graffiti als “Lebensgefühl” zur Integration und zur (politischen) Selbstentfaltung junger Menschen bei? Welche Potenziale haben sie bei Wandlungsprozessen? Welche Rolle spielen Graffiti schließlich als Magnet für Tourist_innen und Kunst- und Kulturschaffende? Über diese und weitere Fragen möchten wir mit Ihnen diskutieren und laden Sie gemeinsam mit der Graffiti Lobby Berlin herzlich zu unserem Graffiti-Kongress ein.

In den vier Panels “Graffiti und Partizipation”, “Graffiti in der kulturellen, politischen Bildung und Sozialen Arbeit”, “Graffiti vor Ort” und “Graffiti und die Kreativwirtschaft” wird das Thema aus diversen Perspektiven und in verschiedensten Kontexten beleuchtet. Ziel ist es, alternative und differenzierte Sichtweisen in Bezug auf Graffiti aufzuzeigen. Die Teilnehmer_innen erhalten die Gelegenheit, sich in Form von Vorträgen und Diskussionen die entsprechende Thematik in den Panels eigenständig zu erarbeiten und ihre Ergebnisse im Abschlussplenum zu präsentieren.

Das Referat Forum Politik und Gesellschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung widmet sich zentralen gesellschaftspolitischen Fragestellungen im Kontext der sozialen Demokratie. Ziel unserer politischen Bildungs- und Beratungsarbeit ist es, Lösungen für aktuelle gesellschaftliche Fragen zu erarbeiten, gesellschaftliche Akteure in politische Prozesse einzubinden und Verständnis, Interesse und Begeisterung für Politik und Demokratie zu fördern. Die Graffiti Lobby Berlin ist ein offener Kreis von Menschen, die die Graffitikultur in Berlin aktiv pflegen und fördern wollen. Die Lobby ist ein unabhängiges, transparentes Netzwerk, das Basisarbeit betreibt und für eine alternative Graffitipolitik sowie die Anerkennung von Graffiti als Kunstform wirbt.

Seitenanfang

Seitenanfang